Österreich auf dem Weg zur Orbánisierung – Opus Dei-Netzwerke mischen kräftig mit

Nach den Nationalratswahlen in Österreich bahnt sich nun ein Bündnis zwischen der ÖVP (Liste Kurz) und der FPÖ an. Die ersten Koalitionsgespräche haben in Wien bereits am Mittwoch, den 25.10. begonnen, ÖVP-Chef Sebastian Kurz ist von vier weiteren Vertrauten begleitet, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache verhandelt ebenfalls mit vier weiteren Beratern. „Wer für Kurz und Strache verhandelt“, hat der Standard (25.10.) hier zusammengefasst:

http://mobil.derstandard.at/2000066663473/Wer-fuer-OeVP-und-FPOe-verhandelt

Am Montag, den 30.10. sollen die Koalitionsgespräche mit einem „Kassasturz“ fortgesetzt werden.

»Generell werden die Verhandlungen in fünf „Clustergruppen“ geführt, führte FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache aus. Diese sind:

  • Soziales, Fairness, neue Gerechtigkeit
  • Standort
  • Zukunft
  • Sicherheit, Ordnung, Heimatschutz
  • Staat und Gesellschaft

Laut Strache sind das Oberbegriffe, darunter werde man laut Kurz eigene Fachgruppen bilden, die sich an den „bisher bestehenden Ministerien orientieren“. Am Dienstag sollen die Fachgruppen der Koalitionsverhandlungen die Gespräche beginnen. […] Die Namen der Fachgruppen- und Clustergruppensprecher sollen am Dienstag bekanntgegeben werden.« (standard.at vom 25.10.2017)

http://mobil.derstandard.at/2000066675346/Kurz-und-Strache-starten-Koalitionsgespraeche

Von einer ÖVP-FPÖ-Koalition wird nichts anderes zu erwarten sein als ein klarer Rechtsruck mit deutlich beabsichtigter Signalwirkung in Europa. In der Mehrzahl der deutschsprachigen Medien wird die EU-Feindlichkeit der FPÖ problematisiert, der gegenüber sich ÖVP-Chef wiederholt mit verbalen Bekenntnissen zur EU gekonnt profilieren konnte. Tatsächlich ist nur „eins und eins“ inhaltlich wie personell zusammenzuzählen, diese Koalition will ein anderes Europa als das bestehende. Nicht länger jenes, welches der SPIEGEL gerade erst mit seiner Titelstory, einem Interview mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, sehr bewusst in Erinnerung bringen wollte (42/17 vom 14.10.2017, S. 12 ff.). Macron im Wortlaut: „Für mich besteht Europa aus drei Dingen: Souveränität, Einheit und Demokratie. Wenn wir uns diese Ziele vor Augen halten und geschlossen darauf hinarbeiten, dann – und nur dann – können wir auch unser Versprechen halten: Frieden, Wohlstand und Freiheit zu gewährleisten.“ (ebd. S. 15)

Wir wollen hier nicht die politische Realität in Frankreich und Deutschland kommentieren, sondern herausstreichen, dass eine rechtspopulistische bis rechte ÖVP-FPÖ-Koalition in Österreich keine der von Macron genannten EU-Grundlagen und -Ziele noch erhalten würde, sie würden alle ausgehöhlt und zerstört werden, wenn die politischen Ziele dieser Koalition nicht gestoppt werden. Erster Zwischenschritt: die Aufspaltung Europas in zwei unvereinbare Lager.

Am deutlichsten wird diese Strategie derzeit von Ungarns Premier Viktor Orbán ausgesprochen: „Ungarns Präsident Viktor Orbán hat Ost-Mitteleuropa zur „migrantenfreien Zone“ erklärt.“, titelte welt.de am 24.10.217. Nicht allzu weit entfernt von der Nazi-Propaganda über die „Bedrohung“ des „deutschen Volkes“ durch „jüdisches Finanzkapital“, das „die Weltherrschaft“ anstrebe [so die NS-Propaganda nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929, die mit dem New Yorker Börsencrash begann], phantasiert Orbán in seiner Rede von einem „Spekulanten-Imperium“, welches die EU in „Geiselhaft“ genommen habe. „Die mysteriöse Finanzmacht habe Europa „die jüngste Völkerwanderung, die Millionen Migranten, die Invasion der neuen Einwanderer beschert“.

»Man hat diesen Plan geschmiedet, der aus Europa einen Mischkontinent machen will“, sagte Orbán. „Nur noch wir leisten Widerstand“, meinte er unter Hinweis auf die ostmitteleuropäischen Länder Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Polen. Diese lehnen EU-Quoten zur Verteilung von Asylbewerbern ab.“ (welt.de, ebenda) „Derzeit läuft eine Fragebogen-Aktion der Orbán-Regierung, bei der die Bürger Suggestivfragen zu einem angeblichen „Soros-Plan“ beantworten sollen. Auch dieser bezwecke nach Orbáns Darstellung, Europa mit Flüchtlingen aus Asien und Afrika zu „überschwemmen“, um die „christliche und nationale Identität“ seiner Völker zu zerstören.« (welt.de, ebenda)

https://www.welt.de/politik/ausland/article169972943/Orban-erklaert-Ost-Mitteleuropa-zur-migrantenfreien-Zone.html

Eine ÖVP-FPÖ-Koalition wäre ein weiterer Verbündeter einer solchen Orbánisierung Europas, der v.a. auch direkte Ausstrahlungskräfte in Parteien mit rechtspopulistischen Strömungen in Deutschland und natürlich auf das Selbstbewusstsein der rechten AfD hätte.

Wie kommentierte Hans Rauscher in einer Kolumne im standard.at die „Frage nach der Regierungsfähigkeit“ der FPÖ? »Die FPÖ verkörpert ein Gegenmodell zur liberalen westlichen Demokratie. […]

Der zweite, viel gewichtigere Grund, die Regierungsfähigkeit der FPÖ misstrauisch zu betrachten, liegt in ihrer Natur als systemfeindliche Partei. Die geistigen Wurzeln der FPÖ liegen im Deutschnationalismus des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie im Nationalsozialismus. Nach der fürchterlichen Niederlage der beiden Ideologien 1945 und ihre Ersetzung durch Demokratie zogen sich die restlichen Anhänger in eine Art innerer Emigration zurück. Die Ablehnung des Staates Österreich und der Werte der westlichen liberalen Demokratie sowie ein völkisches „Reinheitsgebot“ blieben.

Die heutige FPÖ hat gelernt, dass man diese Ideologie besser nicht offen vor sich herträgt, hie und da mag auch ein echter Lernprozess eingesetzt haben. Im Kern ist aber das Völkische, das Autoritäre und die Abneigung gegenüber Weltoffenheit und Liberalismus geblieben. 21 von 51 Abgeordneten im FP-Klub sind in deutschnationalen Verbindungen. Ein Rekordwert. Allerdings kommt die Zeitstimmung eines starken Rechtspopulismus der Grundstruktur der FPÖ entgegen. So lässt es sich schon leichter (mit)regieren. Aber die FPÖ ist immer noch eine systemfeindliche Partei, obwohl sie gut 25 Prozent der Wähler hat. Sie verkörpert ein Gegenmodell zur liberalen westlichen Demokratie.«

http://derstandard.at/2000066611880/FPOe-Die-Frage-nach-der-Regierungsfaehigkeit

Über FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und dessen frühere Kontakte mit Rechtsextremisten finden sich in Wikipedia diese Ausführungen:

„Strache wurde im Alter von 15 Jahren Mitglied der schlagenden und deutschnationalen Schülerverbindung Wiener pennale Burschenschaft Vandalia. Dort kam er in Kontakt mit Rechtsextremisten wie Gottfried Küssel, dem Leiter der später verbotenen VAPO, und Franz Radl. Er verliebte sich in Gudrun, eine Tochter von Norbert Burger, mit der er sieben Jahre lang liiert war. Gemeinsam mit ihr verbrachte er viele Wochenenden mit der Familie Burger in Kirchberg am Wechsel. Später bezeichnete Strache ihn auch als „Vaterersatz“. Durch den Kontakt zu ihm lernte er weitere Rechtsextremisten kennen.

Strache nahm um 1985/86 an von Burschenschaftern organisierten, nationalen Zeltlagern in Kärnten teil und beteiligte sich in Zweikirchen bei Sankt Veit an der Glan mit einigen österreichischen Neonazis an Übungen in militärischer Kleidung mit Gummiknüppeln, vermuteten Pumpguns und Gewehren. Dort waren bekannte damalige österreichische Neonazis, darunter Andreas Thierry und Jürgen Hatzenbichler. Straches Kontakte und Aktivitäten wurden am 23. August 2007 durch sieben Fotografien und zwei Zeugenaussagen, eine davon von Ewald Stadler, erwiesen. Fünf der Fotos hatte Strache zuvor selbst dem ORF vorgelegt, sie aber als harmloses Paintball-Spiel zum Aggressionsabbau mit damals „unbescholtenen“ Teilnehmern erklärt. Die übrigen zwei Fotos der Serie zeigten die Teilnehmer mit für Paintball unüblichen Waffenarten; sie wurden 2008 veröffentlicht.]

Am 31. Dezember 1989 nahm er an einem Treffen der neonazistischen Wiking-Jugend nahe Fulda teil.] Strache meinte später dazu, er habe Silvester 1989 zusammen mit Vertretern der Wiking-Jugend an einer Aktion an der innerdeutschen Grenze teilgenommen, um Care-Pakete für die DDR-Bürger über die Grenze zu werfen. Er sei auch nie Mitglied der Wiking-Jugend gewesen und habe seit damals keinen Kontakt mehr zu ihr gehabt. Strache wurde dort auch vom Bundesgrenzschutz festgenommen, dies sei aber nur zur Feststellung seiner Identität erfolgt.

1990 besuchte Strache als FPÖ-Mitglied eine Wahlkampfveranstaltung der Gruppe Nein zur Ausländerflut, nach der die Polizei ihn kontrollierte. Spitzenkandidat der Gruppe war der Rechtsextremist Horst Rosenkranz, auf ihrer Wahlliste kandidierten auch der Holocaustleugner Gerd Honsik und Straches Bekannter Franz Radl. Die Gruppe wurde dann wegen NS-Wiederbetätigung nicht zur Wahl zugelassen.

Ebenfalls 1990 nahm Strache an einer Veranstaltung der rechtsextremen DVU in Passau teil. Dabei nahm die deutsche Polizei ihm einen Schreckschussrevolver ab. Er habe diesen zum Selbstschutz vor „Glatzköpfen“ bei sich getragen und dafür eine Geldbuße zahlen müssen, erklärte Strache 2007 nach Bekanntwerden des Vorgangs.

In einem Adressbuch, das bei einer Hausdurchsuchung bei dem Rechtsextremisten Franz Radl im Jahr 1993 beschlagnahmt wurde, war auch ein „Heinrich Strache“ vermerkt. So sei Strache nach Aussage einer Tochter von NDP-Chef Norbert Burger in dieser Zeit genannt worden. Strache bemerkte dazu, dies seien „Geschichterln“. Da werde etwas konstruiert.

Einen Kontakt zu Küssel und seine Teilnahme an einer Art Wehrsportübung in Niederösterreich bestätigte Strache 2009 in einer Monografie von Nina Horaczek und Claudia Reiterer. An das genaue Jahr könne er sich nicht mehr erinnern, aber er habe die Teilnahme abgebrochen und sei entsetzt wieder nach Hause gefahren. „Im Zuge dieses ganzen Treibens war mir klar, das sind Leute, das ist ein Wahnsinn. Das ist für mich sozusagen der Bereich, wo ich überhaupt nicht mit kann.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz-Christian_Strache

Im standard.at-Forum zur Diskussion der aktuellen Koalitionsverhandlungen berichtet ein Teilnehmer:

„Strache war 7 Jahre lang mit der Tochter des rechtsradikalen Terroristen Norbert Burger liiert, war regelmäßig bei ihm zu Gast, war bei seinem Begräbnis anwesend, war in engem Kontakt mit führenden Neonazis wie Küssel, hat mit Neonazis „Paintball gespielt“ (sprechen wir es aus, er war selbst nichts anderes als ein Neonazi). Und sowas wird vermutlich Vizekanzler Österreichs. Das ist tatsächlich beispiellos.“

Eine Bestätigung findet sich im Wikepedia-Eintrag zu Norbert Burger (letzter Absatz):

https://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Burger_(Politiker,_1929)

„Die Süddeutsche“ hat ebenfalls ausführlich über Straches rechtsextreme Vergangenheit berichtet:

http://gfx.sueddeutsche.de/apps/e563408/www/

Welches Ministerium möchte die FPÖ mit 21 Abgeordneten in deutschnationalen Verbindungen und diesem Heinz-Christian Strache als Parteichef gern ausdrücklich besetzen? Natürlich: das Innenministerium in Österreich!

Als Österreichs Bundespräsident Van der Bellen (ein Grüner) seine Bedenken gegen eine solche Besetzung vortrug, brach im Netz ein regelrechter antisemitischer (!) Shitstorm gegen van Bellen los.

http://derstandard.at/2000066542084/Innenministerium-an-FPOe-Van-der-Bellen-auf-der-Bremse

Kurz zusammengefasst verbirgt sich hinter einer die Wähler beider Parteien verbindenden nationalen Parole wie „Österreich zuerst“ ein Regierungsprogramm, das nicht nur ein „Bollwerk Europas“ gegen Flüchtlinge und Migration (bin hin zur Aushöhlung des UN-Menschenrechtes auf Asyl) sein wird, die „neue Gerechtigkeit“ (FPÖ-Chef Strache) wird weiteren Abbau sozialer Rechte beinhalten, „Sicherheit, Ordnung, Heimatschutz“ (FPÖ-Chef Strache) die Rückkehr zu autokratischen Strukturen in Gesellschaft und Familien, orientiert an einem „völkischen“ Grundverständnis. Frauen dürfen gebären und Kinder groß ziehen, als moderne Frauen zusätzlich noch im Beruf arbeiten, Männer werden sich um Besitzstandserweiterung und das Ausleben einer chauvinistischen Doppelmoral kümmern. Für „Gottes Segen“ zur Einbindung katholischer Wähler stehen genügend Rechtskatholiken bereit.
Arthur Schnitzlers Drama „Reigen“ könnte wieder aktuelle gesellschaftspolitische Zustände aus dem 21.Jh. beinhalten.

Eine „christliche“ Identität, von der Orbán gesprochen hat und die so gern von ÖVP-Politikern wie Gudrun Kugler und Sebastian Kurz in Anspruch genommen wird, bestünde im direkten Gegenteil.

In dieser Einschätzung dürfen wir uns auf Papst Franziskus persönlich berufen, der unmissverständlich erklären ließ:

»Franziskus warnt Europa – und sieht Parallelen zu Hitlers Aufstieg

So sieht der Papst mit Blick auf Europas populistische Bewegungen Parallelen zum Jahr 1933 in Deutschland. In Krisenzeiten suchten die Menschen „einen Heilsbringer, der uns unsere Identität wiedergibt“, sagte Franziskus. „Wir schützen uns mit Mauern und Stacheldraht vor den anderen Völkern, die uns unsere Identität nehmen könnten.“ Das sei sehr schlimm.

„Hitler hat die Macht nicht an sich gerissen. Er wurde gewählt.“

Sein warnendes Beispiel: Das Nazi-Regime im Deutschland der 1930er Jahre. In der Weltwirtschaftskrise sei Deutschland ruiniert gewesen und habe Hitler gewählt, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. „Hitler hat die Macht nicht an sich gerissen. Er wurde von seinem Volk gewählt und hat sein Volk zerstört“, erinnerte er. Deutschland habe sich 1933 in einer Krise befunden und seine Identität gesucht, so der Papst.

Da kam dieser charismatische Anführer und versprach, ihnen eine Identität zu geben. Franziskus warnte die Menschen indirekt davor, denselben Fehler nochmal zu machen: „Darin liegt die Gefahr. Das Urteilsvermögen funktioniert in Krisenzeiten nicht.“ Daher sei Dialog in solchen Zeiten sehr wichtig, so der Appell des Papstes.« (focus.de vom 23.01.2017)

http://www.focus.de/politik/videos/papst-franziskus-warnt-europa-und-sieht-parallelen-zu-hitlers-aufstieg_id_6534364.html

„Das Katholiken-Oberhaupt hat Deutschland zu weiterem Engagement in der Flüchtlingsfrage aufgefordert. Franziskus habe seinen Respekt bekundet, wie Deutschland in der Flüchtlingskrise seine Verantwortung wahrgenommen habe, […]“ wiederholte Franziskus anlässlich eines Gespräches mit dem deutschen Bundespräsidenten Steinmeier am 09.10.2017.

http://www.epochtimes.de/politik/europa/papst-besorgt-ueber-grosse-afd-akzeptanz-und-deutschland-soll-sich-bei-migration-weiter-engagieren-a2236126.html

Das Menschenbild der AfD ist nach den Worten von Prälat Karl Jüsten nicht mit einem christlichen Verständnis vereinbar. Forderungen im Parteiprogramm der „Alternative für Deutschland“ erweckten zwar den Anschein, kirchlichen Positionen nahe zu kommen, sagte Jüsten der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin. Die Kirche gehe aber „von der gleichen Würde aller Menschen aus, unabhängig von Herkunft, Staatsangehörigkeit und Religion“. Hier liege ein grundlegender Unterschied, der etwa bei der Haltung gegenüber Flüchtlingen deutlich werde. Jüsten leitet das Katholische Büro in Berlin, die kirchliche Kontaktstelle zur Bundespolitik.

http://de.radiovaticana.va/news/2017/08/08/d_%E2%80%9Eafd_vertritt_kein_christliches_menschenbild/1329516

Nein, auf ein christliches Verständnis der Menschenrechte und den Papst kann sich in Österreich und Deutschland niemand berufen, wer sich in diesen Tagen rechtspopulistisch und rechtskatholisch positioniert!

Wenn wir Papst Franziskus‘ Warnungen vor „Parallelen zu 1933“ ernst nehmen (wir tun das im Gegensatz zu allen Rechtskatholiken), stellt sich mit Blick auf die vermutlich künftige Koalitionsregierung in Österreich die Frage, ob ein ÖVP-Chef Sebastian Kurz den Koalitionspartner FPÖ „demokratisch“ einbinden könnte – wenn er es denn wollte? [Papst Franziskus hat mit Recht darauf hingewiesen, dass Hitler schließlich durch eine parlamentarische Mehrheit gewählt worden war, Deutschnationale meinten damals, ihn in einer gemeinsamen Regierung „einbinden“ zu können.]

Wer ist dieser Sebastian Kurz, mit dessen Karriere wir uns schon einmal hier ausführlich beschäftigt haben?

https://confessiones.online/2017/10/14/greift-ein-rechtskatholisches-opus-dei-netzwerk-mit-oevp-chef-kurz-zur-macht/

Taktisch sehr geschickt setzte er seiner Partei ÖVP nach der Wahl zum Bundesparteiobmann im Mai 2017 Bedingungen, u.a. ein Vetorecht des ÖVP-Obmanns gegen Kandidatenlisten auf Bundesebene der Landesorganisationen und die alleinige Entscheidungsbefugnis über die Erstellung der Bundesliste zur Nationalratswahl. Das hatte schon etwas von ein einem „Führer“. Zur Nationalratswahl kandidierte dann auch nicht die ÖVP, sondern eine „Liste Kurz“ – mit dem auf die so charmante „Führer“-Figur zugeschnitten Profil.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_Kurz

Mit dabei: die profilierte Rechtskatholikin Gundrun Kugler aus Wien, die mit ihrem Wegbegleiter Kurz nun als Abgeordnete für Wien Nord in den Nationalrat eingezogen ist.

„Auch für die ÖVP in den Nationalrat einziehen wird via Vorzugsstimmen Gudrun Kugler, eine christliche Aktivistin, die gegen gleiche Rechte für Homosexuelle kämpft – und fordert, dass christliche Standesbeamte auch eine eingetragene Partnerschaft aus Glaubensgründen ablehnen dürfen. Sie hat die „Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa“ und die christliche Partnervermittlungsbörse „Kathtreff“ gegründet.“, (kurier.at am 17.10.2017).

https://kurier.at/politik/inland/wahl/nr-neu-christliche-hardliner-und-burschenschafter/292.598.463

Gundrun Kugler selbst stellt ihren Erfolg so dar:

https://www.kathtreff.org/blog/

Man kann davon ausgehen, dass der Aufstieg des Sebastian Kurz bis zum Bundeskanzler Österreichs v.a. auch das Ergebnis strategischer Planungen aus Vernetzungen rechtskatholischer Kreise ist, in denen immer wieder das Opus Dei mit direktem Einfluss auf rechtskatholische Medien eine wesentliche Rolle spielt. (Wir haben hierüber schon mehrfach berichtet.)

Die Tageszeitung Kurier spekulierte schon im Jahr 2014 über einen allfälligen Spitzenkandidaten Kurz für die nächste Wahl:

https://kurier.at/politik/inland/oevp-varianten-fuer-eine-spindelegger-nachfolge/57.684.123

Weshalb konnte ausgerechnet Kurz, ein Studienabbrecher (Jura an der Universität Wien), eine solche Karriere machen? „Die schwarzen Aufsteiger“ aus der Jungen Volkspartei (JVP), auf die sich Sebastian Kurz von Anbeginn und bis heute stützen kann, hat zeit.de im Mai 2017 thematisiert:

„Kurz zog neue Mitglieder an, die JVP hatte Perspektiven zu bieten und Jobs zu vergeben. Wer als talentiert auffiel, wurde rasch weitervermittelt. Mittlerweile ist das Netz dicht geknüpft, ohne die Jugendorganisation geht nur noch wenig in der ÖVP. Kurz hat eine Heerschar hinter sich, die gemeinsam gefeiert hat, sich oftmals seit Schulzeiten kennt und ihm die jeweils eigene politische Karriere verdankt.

Auch in seinem engen Umfeld umgab sich Kurz mit Getreuen aus der JVP. Es sind Leute wie der Wiener Landesparteiobmann Gernot Blümel und dessen Landesgeschäftsführer Markus Wölbitsch, mit denen Kurz schon in der Wiener JVP eng zusammengearbeitet hat und denen er vertraut. […]

Ob in Ministerkabinetten, im Nationalrat, in Landtagen oder in Gemeinderäten, überall sitzen loyale Mitglieder der JVP, die an einem gemeinsamen Ziel arbeiteten: Kurz musste die Partei übernehmen.

Die Fäden liefen an zwei zentralen Stellen in Wien zusammen: Generalsekretär Stefan Schnöll hielt die JVP auf Linie und tourte dafür laufend durch Österreich, während ein Kabinettsmitarbeiter des Außenministers stets in engem Kontakt zu den neun Landesparteien blieb.“

http://www.zeit.de/2017/21/junge-volkspartei-jvp-sebastian-kurz-machtuebernahme-plaene

Der Wiener Falter wies am 27.09.2017 auf einen Kabinettsmitarbeiter „als Referent mit Sondervertrag“ hin: Bernhard Bonelli, der Sebastian Kurz auf dessen USA-Reise begleitete, Reden und mindestens ein Strategiepapier verfasste und im Gegensatz zu Kurz eine umfassende Universitäts- und Businesskarriere abgeschlossen hat, deren Höhepunkt sicherlich das Studium an der IESE Business School in Barcelona war, die zur Opus Dei-Universität von Navarra gehört, deren Vizekanzler der derzeitige Regionalvikar des Opus Dei in Spanien ist.

»Die christliche Leitfigur der neuen ÖVP

Ist Bernhard Bonelli, Freund und Mitarbeiter im Ministerbüro Sebastian Kurz, Anhänger des umstrittenen Opus Dei?

Er wich ÖVP-Chef Sebastian Kurz letzte Woche in New York nicht von der Seite, er schreibt ihm Reden, und auch eines der umfassenden Strategiepapiere, über die der Falter in seiner letzten Ausgabe berichtete, jenes über Wirtschaftspolitik, trägt seine Handschrift: Bernhard Bonelli, seit Juni 2017 im Ministerkabinett Kurz als Referent mit Sondervertrag beschäftigt, muss für Kurz ein besonders wichtiger Mann sein. Und umgekehrt. Schon 2015 erzählte der studierte Philosoph Bonelli dem MBA-Nachrichtendienst ‚Poets&Quants‘, dass er nach Abschluss seines MBAs an der IESE Business School in Barcelona gern zurück nach Wien gehen würde, um nach zwei Jahren Arbeit für die Boston Consulting Group als Berater in die Politik einzusteigen. Gesagt getan. Bonelli ist ein junger Mann, der seine Zukunft genau plant – so wie sein vier Jahre jüngerer Freund und Trauzeuge Sebastian Kurz.«

Die christliche Leitfigur der neuen ÖVP

Auffällig ist, wie einige Familienclans in Österreich über viele Jahre einen vernetzten medialen Einfluss aufgebaut und vertieft haben, der inzwischen bis zur politischen Einflussnahme auf die höchste Politik genutzt wird. (Diese familiäre Vernetzung scheint zur typischen Arbeitsweise des Opus Dei zu gehören.)

Zusammengefasst fallen diese Familienclans sofort auf:

  • die Brüder Ramón Herrando Prat de la Riba (Spanien) und Enrique H. Prat de la Riba (Wien)
  • der Familienclan der Bonellis, zu dem Johannes Bonelli und Lukas Bonelli sowie deren Kinder Victoria Bonelli, Natalie Maria Bonelli und Raphael Maria Bonelli gehören; Berhard Bonelli, geb. Adamec, hat im Juni 2013 in diesen Clan eingeheiratet, er ist heute enger Berater für Sebastian Kurz (siehe oben)
  • Gudrun Veronika Kugler und deren Ehemann Martin Kugler
  • das Ehepaar Roland Noé und Linda Noé

Ramón Herrando Prat de la Riba, Doktor der Theologie, derzeit Vizekanzler der Opus-Dei-Universität von Navarra mit weiteren Campi u.a. in Barcelona, Madrid und München, und seit 2002 Regionalvikar des Opus Dei in Spanien. Ferner Direktor des Colegio Mayor La Estila in Santiago, Chile von 1964-1971.

http://www.opusdei.es/es-es/article/ramon-herrando-vicario-regional/

Immer wieder zieht es Familienmitglieder dieser Clans nach Spanien oder Chile, wo sie an Opus Dei-Universitäten ihren letzten Schliff und vermutlich weitere Vernetzungsaufträge bekamen.
Beispiel: Der Wiener Psychiater Raphael Bonelli gibt in seinem Lebenslauf selbst an, im Jahr 2010 eine „Gastprofessur an der Universität von Navarra, Spanien“ wahrgenommen zu haben, erwähnt dabei natürlich nicht, dass es sich dabei um eine offizielle Opus Dei-Universität handelt. Ferner gibt er selbst an, 2011 eine Gastprofessur an der Universidad de los Andes und der Universal del Desarollo in Santiago (Chile) wahrgenommen zu haben, deren Träger wiederum das Opus Dei ist.

http://www.bonelli.info/vita.html

Bruder Enrique H. Prat de la Riba ist Mitbegründer des IMABE-Instituts in Wien, einer zentralen Opus Dei-Kaderschmiede in Österreich; weiterer Mitbegründer und Vorsitzender des Kuratoriums des IMABE-Instituts war Diözesanbischof DDr. Klaus Küng, von 1976 bis 1989 Regionalvikar des Opus Dei in Österreich.

https://www.imabe.org/index.php?id=enriqueprat

Johannes Bonelli (Mediziner und Univ.-Prof., Wien) fungiert seit 1990 als Direktor des IMABE-Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik in Wien, der schon erwähnten Kaderschmiede des Opus Dei in Österreich. Von 1996 bis 2011 war er Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben.

https://www.imabe.org/index.php?id=johannesbonelli

Volksschule und Gymnasium hat er in Schärding/Inn in OÖ besucht.

In Schärding 1968 geboren wurde sein Sohn Raphael Bonelli, ein Neurowissenschaftler und Psychiater in Wien, der wiederholt für das Projekt „Demo für alle“ (Stuttgart) aufgetreten ist [hier tun sich dann die Verbindungen zu Gabriele Kuby, Birgit Kelle, Hedwig von Bevervoerde, die AfD-Spitzenpolitikerin Beatrix von Storch und Johannes Freiherr Heeremann auf]. Über einen am 23.01.2016 in Stuttgart veranstalteten „Gender-Kongress“, dessen prominentester Gast Raphael Bonelli war, hat Wolfgang Brosche in die kolumnisten.de berichtet, er konnte dort Hexenjäger identifizieren.

https://diekolumnisten.de/2016/02/02/hexenjaeger/

Victoria Bonelli, Ehefrau des Raphael Maria Bonelli, ist Kommunikationswissenschaftlerin, engagiert sich beim Forum deutscher Katholiken und schreibt für die rechtskatholische Internetplattform kath.net.

Lukas Bonelli ist Präsident von Radio Maria Österreich (RMÖ) und war bis zur Pensionierung beim Päpstlichen Missionswerk in Österreich tätig.

Dessen Tochter Veronika Bonelli, eine Journalistin, arbeitet für Radio Maria und meinefamilie.at.

Gudrun Veronika Kugler, eine in Wien für ihre rechtskatholischen Ausfälle sehr bekannte Politikerin der ÖVP, offensichtlich mit Sebastian Kurz enger verbandelt als gemeinhin bekannt. Einiges spricht für erhebliche Einflüsse in die ÖVP, Vernetzungen mit dem Bonelli-Clan sind offensichtlich. Seit Oktober 2015 im Wiener Gemeinderat und Landtag, nunmehr in den Nationalrat eingerückt.
Sie gründete 2005 mit Kathtreff.org ein erstes katholisches Heiratsportal, in dessen Forum sich auch diverse Rechtskatholiken bis hin zu Rechtsradikalen tummeln, dieses Forum ist seit Jahren bewusst in anderen Ländern – Schwerpunkt eindeutig gemäß der „Orbánisierung“ Europas – aktiv, zum Beispiel in Litauen, Lettland, Slowakei, Ungarn, Kroatien und Tschechien, aber auch in Deutschland und Spanien, in Kürze auch in Kolumbien. Mit kathtreff.org werden international viele gläubige Katholiken angesprochen, die zunächst idealistisch eingestellt sind, um sie dann aber politisch zu rekrutieren. Als Beispiel kann ein Beitrag aus dem Forum erwähnt werden:

2017_10_26_kathtreff_screen_confessiones_art

Wie die rechtskatholische Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin (der ÖVP) Gudrun Kugler die Fruchtbarkeit des deutschsprachigen Raumes ankurbelt, haben wir hier bereits mehrfach analysiert:

https://confessiones.online/2017/09/22/wie-die-rechtskatholische-landtagsabgeordnete-und-gemeinderaetin-der-oevp-gudrun-kugler-die-fruchtbarkeit-des-deutschsprachigen-raumes-ankurbelt/

Gudrun Kugler selbst hat dieses Forum auf kath.net so beschrieben:

http://www.kath.net/news/33765

Gudrun Kugler engagiert sich mit ihren rechtskatholischen Positionen u.a. hier: → Europa für Christus! Internationales Institut für Studien zu Ehe und Familie (Wien) → Dr. Karl-Kummer-InstitutKirche in Notchristianophobia.eu („Dokumentationsarchiv der Diskriminierung von Christen in Europa“) → Lebensrechtsbewegung

Die Vorgehensweise Gudrun Kuglers ergänzt das ihrer vernetzten Freundinnen Birgit Kelle, Gabriele Kuby und Hedwig von Bevervoerde (alle engagiert für Demo für alle):

»Am 16. November 2012 wurde die Facebook-Gruppe „Skandal im Bm:ukk“ (Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur) gegründet, um über die „skandalöse Sexualaufklärungsbroschüre“ zu informieren. Am Tag darauf erschien in der „Presse“ ein Beitrag über „besorgte Eltern“, die sich über die Broschüre empören. Bis heute ist unklar, wie die „besorgten Eltern“ überhaupt an die Broschüre, die sie so erregte, gekommen sind. Immerhin ist diese eigentlich für Lehrer gedacht, die sich mit Sexualerziehung beschäftigen und nicht wie oft fälschlich berichtet, eine Broschüre für Jugendliche und /oder deren Eltern.

Die Erregung hielt sich aber so oder so in Grenzen. Bis heute hat die Facebook-Seite beispielsweise gerade einmal 167 Likes. Dennoch wurden am 20. November parlamentarische Anfragen vom ÖVP-Abgeordneten Werner Amon und dem FPÖ-Abgeordneten Walter Rosenkranz zu dieser Causa eingebracht. In der Anfrage Amons wird explizit auf die „Anfrage mehrerer besorgter Eltern“ Bezug genommen, die von „Verstörung“ ihrer Kinder berichtet hätten (Anm. die Broschüre richtet sich an Lehrkräfte und nicht an Kinder).“

Doch wie ist es vorstellbar, dass eine Initiative aus zumindest teilweise erzkatholischem Umfeld solch ein Echo erzeugt und sogar von Parlamentsparteien aufgegriffen wird? Ja, dass diese sogar die Argumente konservativer Christen – einer verschwindend kleinen Minderheit in Österreich – aufgreifen? Darauf kann Gudrun Kugler selbst vielleicht die beste Antwort geben: Auf der Seite „Europe4Christ“, eine Initiative an der ihr Mann federführend beteiligt ist, gibt Gudrun Kugler in zwei Dokumenten Einblick, wie man in der politischen Debatte als Christ intervenieren kann. Sie macht klar, dass es wichtig sei, früh in eine Debatte einzusteigen, da sich schon zu Beginn einer Debatte die Richtung dieser kläre.«

https://www.news.at/a/sex-broschuere-konservative-kritik

Ihre Kommunikationsstrategie, das Aufblähen einer angeblichen „Sexualisierung“ bis zum Skandal, hat sie in der Adresse europe4christ.net mehrfach gründlich erläutert:

http://www.europe4christ.net/fileadmin/media/pdf/english/29__english_.pdf

http://www.europe4christ.net/index.php?id=472

Gemeinsam mit ihrem Ehemann Martin Kugler, vor der Verehelichung mit Gudrun Veronika Kugler ab 1999 Opus Dei-Pressesprecher und gelernter Historiker, betreibt sie das Kommunikations- und PR-Beratungsunternehmen Kairos-Consulting.

http://www.kairos-pr.com/

http://www.kairos-pr.com/projekte.html

Natürlich wurde auch die in den 80er Jahren der Prälatur Opus Dei anvertraute Universität für Lehre und Forschung in den kirchlichen Wissenschaften – hier: http://www.hochschule-heiligenkreuz.at/  – beraten.

http://opusdei.de/de-de/article/die-universitat-vom-heiligen-kreuz-in-rom/

Martin Kugler pflegt zudem enge Kontakte zum europäischen Hochadel, beispielsweise berichtet er in seinem Facebook-Account am 09.06.2017 von einem Treffen mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten und König Bulgariens anlässlich eines Zusammentreffens in Sofia – zur „Orbánisierung“ Österreichs, zur politischen Strategie vernetzter Opus Dei-Kreise, gehören unbedingt Kontakte zu Gleichgesinnten in Osteuropa. Wir berichteten:

https://confessiones.online/2017/09/28/wer-wie-kuby-kugl – er-kelle-zurueck-will-in-eine-konservativ-katholisch-gepraegte-familienordnung-der-vorkriegszeiten-wird-zwangslaeufig-die-fruehere-patriarchalische-doppelmoral-herbeifuehren-woll/

Roland Noé ist Mitgründer von kath.net, verantwortlich für Redaktion und Organisation) und engagiert sich für Kirche in Not.

Linda Noé , Ehefrau Roland Noés, ist (mit)verantwortlich für die Redaktion von kath.net.

Petra Knapp-Biermeier, Schwester Roland Noés, Mitarbeiterin von kath.net.

Wikipedia schreibt über kath.net:

»Kath.net ist kein offizielles Kirchenorgan, sondern eine private Initiative mit religiöser Zielsetzung. Nachdem die österreichische Bischofskonferenz die finanzielle Unterstützung des Projektes vor einigen Jahren eingestellt hat, finanziert es sich aus Spenden und dem Gewinn aus dem Verkauf von Leserreisen und Inseraten, jährlichen Subventionen von Kirche in Not sowie den Einnahmen aus den „Clubmitgliedschaften“ im Forum. Diese haben Zugriff auf einen geschlossenen Foren-Bereich und erhalten Vergünstigungen bei kath.net-Angeboten wie Leserreisen, Zeitschriftenabonnements usw. Unterstützer war unter anderem der St.Pöltner Altbischof Kurt Krenn und ist der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn.  Kirche in Not/Ostpriesterhilfe überweist an Kath.net nach eigenen Angaben einen Betrag von 10.000 bis 20.000 Euro pro Jahr.«

https://de.wikipedia.org/wiki/Kath.net

Die rechtskatholische Ausrichtung kath.nets ist innerhalb der katholischen Kirche Österreichs inzwischen aber höchst umstritten:

»Der Passauer Bischof Stefan Oster hat sich kritisch über das österreichische Internetmagazin kath.net geäußert. Er sei zwar „einverstanden und dankbar“, dass das Portal „versucht, den katholischen Glauben in seiner Schönheit und Wahrheit darzustellen“, schreibt der Bischof auf seiner Facebook-Seite. „Wirklich schwer tue ich mich aber mit der aus meiner Sicht zunehmend tendenziösen Berichterstattung“. Dadurch werde die Polarisierung von Bischöfen, Priestern, Theologen „in klar identifizierbare Lager vorangetrieben“. Der vom Bischof in der Nacht auf Sonntag gepostete Beitrag löste eine kontroverse Debatte unter seinen Followern aus.«

http://de.radiovaticana.va/news/2015/03/01/d_bischof_oster_kritisiert_kathnet/1126376

Wieder finden wir einen Hinweis auf den Versuch einer Lagerbildung, die sich offensichtlich v.a. gegen die Überzeugungen des Papstes Franziskus wendet, auf eine deutlichere Spaltung der katholischen Kirche abzielt und sicher Strategie eines im Opus Dei wirkenden Netzwerkes ist, welches eben nicht im Auftrag des Papstes handelt, sondern unter dem Deckmantel einer dem christlichen Glauben besonders verpflichteten Personalprälatur tatsächlich primär rechtsgerichtete politische Zielsetzungen verfolgt – im direkten Gegensatz zum amtierenden Papst.

Zusammenfassung: ÖVP-Chef Sebastian Kurz strebt nicht nur eine Koalition mit einer systemfeindlichen völkisch orientierten rechten Partei FPÖ an, er hat in mehrfacher Hinsicht personelle Verbindungen zu Opus Dei-Vernetzungen: einerseits durch seinen engen Berater Bernhard Bonelli, der selbst an einer Opus Dei-Universität studiert hat und Familienmitglied des Bonelli-Clans ist, ebenso auch durch mit dem ehemaligen Opus Dei-Pressesprecher verheiratete Gudrun Kugler, die jetzt in den Nationalrat gewählt worden ist und aus dieser Position heraus ihren rechtskatholischen Feldzug noch intensivieren wird.

Wir berichteten:

https://confessiones.online/2017/09/19/spinnennetzwerkler-und-das-opus-dei-wie-konservative-katholische-netzwerke-ein-anderes-politisches-system-etablieren/

Wohl ist nicht d a s Opus Dei politisch so extrem tätig, sondern innerhalb des Opus Dei und den Legionären Christi kooperieren noch heute Netzwerke, die aus demokratiefeindlichen Traditionen v.a. in Spanien und Lateinamerika gewachsen sind. Das Opus Dei mit seiner geheimbündlerischen Struktur, aus der nur selten etwas in die Öffentlichkeit gelangt, bietet eben eine glänzende Operationsbasis für strategische Vernetzungen, die als „Werk Gottes“ und im „Namen Jesu“ kaum besser getarnt werden könnten. Eine „Verschwörung“ können wir hier nicht erkennen, vielmehr das zielstrebige „systemfeindliche“ Zusammenwirken von Personenkreisen, denen die Grundlagen und Ziele der Europäischen Union, letztlich die Menschenrechte in deren konsequenter Umsetzung, zuwider sind. Teil dieser Strategie ist es in jedem Fall, die von Papst Franziskus eingeleitete Öffnung der katholischen Kirche wieder rückgängig zu machen – notfalls wird mit der „Spaltung der Kirche“ gedroht. Ein perfides Spiel, das möglichst schnell ein Ende finden sollte.

Weitere Hinweise zur Vernetzung finden sich im Personenregister:

https://confessiones.online/personenregister/

 

 

 

 

 

 

 

5 Antworten

  1. Nur traurig im 3. Jahrtausend!

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