Mit (ÖVP-angereichertem) Vitamin B aus dem abgründigen Familiensumpf befreit? Viele „Opus Dei“-Wege führen nach Rom (oder doch: zu Rom?) – Arzt Lopatka freigesprochen.

Österreichs ländliche Idylle gebar ihr jüngstes Ungemach: In Eichberg in der Steiermark strahlt oben im Ort die weiße Villa des Landarztes Eduard Lopatka über das Tal, der in zwei Nachbarorten je eine gut gehende Praxis betrieb. Dort glaubt man ihm noch heute seine Geschichte, „der zwar gern seinen Reichtum zeige und teure Autos fahre, dafür aber hart arbeite und immer Zeit für Patienten habe. Außerdem hat er mal für den österreichischen Skiverband gearbeitet, eine Art Heiligtum in Österreich.“ (SPIEGEL online vom 30.06.2017, Autor: Hasnain Kazim, Wien)

Die Geschichte böte reichlich Stoff für einen Thriller aus einer „schwarzen Serie Austria“, menschliche Abgründe können über die Jahre tief ins Verderben führen und es soll vorkommen, dass sogar hinter herrschaftlichen Fassaden nicht jenes beschauliche Familienglück gewahrt bleiben kann, von dem Gudrun Kugler (rechte ÖVP-Nationalrätin) oder Birgit Kelle (islamophobe „bekennende Mutter“ und Autorin, Wahlkampfhelferin Gudrun Kuglers) so gern schwärmen.
[Im Gegensatz zu diesen Damen kämen wir allerdings nicht auf die Idee, aus dem nachfolgend zusammengefassten Einzelfall eines von einem „Patriarchen“ ausgelösten Familiendramas auf alle Familien zu schließen. Umgekehrt hat es ja demagogisches System, aus (in der Regel völlig übertriebenen) Einzelfällen den „Untergang des Abendlandes“, der „christlichen Familie“ oder des „Christentums“ schlechthin zu konstruieren.]

Landarzt Eduard Lopatka „soll jahrelang seine Kinder – drei Töchter, einen Sohn – gequält haben. Der harmloseste unter den Vorwürfen ist noch, dass er sie gezwungen haben soll, verdorbene Lebensmittel zu essen, weil nichts weggeschmissen werden durfte. Er ließ sie als Kinder Zigaretten rauchen, weil sie dann einer amerikanischen Studie zufolge später nicht mehr rauchen würden. Alte Fotos zeigen die Kleinen qualmend. Die Kinder sind inzwischen erwachsen, drei von ihnen sind starke Raucher.

Zwei seiner Töchter soll er drogenabhängig gemacht haben, indem er ihnen schon als Kind Morphium verabreichte. Er soll ihnen starke Medikamente in hohen Dosierungen gegeben und sie ermuntert haben, Marihuana zu rauchen.“ (SPIEGEL online vom 30.06.2017, Autor: Hasnain Kazim, Wien)

Weitere Details lesen Sie nach bei SPIEGEL Online (wir empfehlen ggf. diesen Artikel):

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oesterreich-ein-landarzt-soll-jahrelang-seine-kinder-gequaelt-haben-a-1154497.html

Suiziddrohungen, schreckliche Selbstverletzungen und ständige Verletzungen der Persönlichkeitssphäre der eigenen Frau wie der Kinder waren offenbar die Regel. In einem laufenden Strafverfahren sagten alle vier Kinder, „inzwischen in ihren Zwanzigern, berufstätig oder im Studium“ (Quelle: s.o.) gegen ihn aus.

„Die Vorwürfe gegen Lopatka füllen inzwischen mehrere Aktenordner. Sie gehen über die Misshandlung seiner Kinder weit hinaus. […]“ (Quelle: s.o.)

Trotz des Ermittlungsverfahrens weigerte sich die Ärztekammer der Steiermark, ihm die Zulassung als Arzt zu entziehen, da „keine groben Verfehlungen bei Ausübung des ärztlichen Berufs, die mit gerichtlicher Strafe bedroht sind, zugrunde liegen“. Erst Anfang 2017 entschied sich das Bundesland Steiermark zum Entzug der Zulassung, seitdem beschäftigt Lopatka andere Ärzte für sich.“ (Quelle: s.o.)

Schon während der Aufnahme der Ermittlungen soll es sehr „vorsichtig“ zugegangen sein, da es sich beim Bruder des Landarztes, Dr. Reinhold Lopatka, um keinen Geringeren handelt als den bis zum November 2017 tätigen Fraktionschef der christlich-konservativen ÖVP im österreichischen Parlament (Klubobmann).

https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhold_Lopatka

Nach der jüngsten Nationalratswahl setzt sich Dr. Reinhold Lopatka „ im Nationalrat für die Anliegen der Oststeiermark ein und vertr[itt] als Außen- und Europapolitischer Sprecher die ÖVP in verschiedenen internationalen Gremien und Institutionen.“ (Quelle: eigene Website, s.u.)

https://www.wirfuerreinhold.at/

Auf seiner Website phantasiert der Bruder des Landarztes ganz im Geiste eines neuen „Führers“ Austrias: „In Österreich wird das Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand besonders geschätzt. Damit das weiterhin möglich ist, sind gelungene Integration und die Akzeptanz unserer österreichischen Leitkultur und unserer Werte unbedingte Voraussetzung.“ (Quelle: s.o.)

Zum Ermittlungsverfahren gegen seinen Bruder wollte er sich nicht äußern, doch soll es im Grauzonen-Bereich schon zu gewissen „Interaktionsprozessen“ – aus der Partei ÖVP?, aus dem Umfeld der Regierung? – gekommen sein:

„Tatsächlich gibt es, neben dem Vermerk in dem Polizeidokument, Hinweise dafür. So bat der Psychiater Manfred Walzl, der den Angeklagten begutachten sollte, die Staatsanwaltschaft Graz per E-Mail um Enthebung von seiner Aufgabe. Es sei „zu einer ganzen Reihe von Interventionsversuchen durch Kollegen, aber auch Politiker gekommen“, schreibt er darin. Wer genau versucht hat zu intervenieren, bleibt unklar – Walzl antwortet auf Anfragen nicht und schweigt zu dem Fall. Aus den Dokumenten geht hervor, dass unter anderem eine Bürgermeisterin sich für Eduard Lopatka eingesetzt haben soll. Auf Nachfrage bestreitet sie das.“ (Quelle: s.o.)

Bis zu Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens durch Adelheid Kastner ruhte der Prozess.

Dieser Tage sprach ein Strafrichter aus Graz, Andreas Rom, den Landarzt „trotz der schweren Vorwürfe auch der Staatsanwaltschaft, trotz vieler Belege für sein abnormes Verhalten und der Tatsache, dass seine Kinder allesamt in psychologischer Behandlung sind“, frei. Die 36-seitige Urteilsbegründung wird von namhaften Juristen Österreich als skandalös eingestuft.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oesterreich-richter-loest-mit-freispruch-fuer-landarzt-empoerung-aus-a-1180138.html

Ganz im Sinne des zitierten öffentlichen Auftrittes des früheren ÖVP-Parteiobmanns wäscht Strafrichter Rom richtig rein:

„Den Angeklagten stellt der Richter vielmehr als Opfer dar. Dieser sei „nach heutigen Werten betrachtet, eine äußerst grundkonservative Person“. Dies sei aber „nicht als negativ aufzufassen, sondern ist dahingehend auszulegen, dass er mit den gegenwärtig in der Gesellschaft vertretenen Werten, nämlich Völlerei, des Angebens und Strebens nach Mehr“ nicht zurechtkomme.“ (Quelle: s.o., SPIEGEL Online vom 24.11.2017)

Der Wiener Standard näherte sich den in der Steiermark verbreiteten Werten deutlich feinfühliger:

„Christliche Werte und Kicks. In der umstrittenen Urteilsbegründung räumt Richter Rom zwar der gesamten Familie psychische Probleme ein, doch sei L., etwa „was sein spirituelles Wesen betrifft, äußerst sakral im Sinne der katholischen Kirche eingestellt, mit diesen christlichen Werten vertraut und bemüht, dies nach außen in Erscheinung zu bringen, indem er sonntags immer den Gottesdienst besucht“. Während seiner aufrechten Ehe erhielt der Arzt aber „offensichtlich zu wenig Aufmerksamkeit, sodass er diesen sexuellen Kick außerehelich ausleben musste“, heißt es in der Urteilsbegründung wörtlich.“ (standard.at vom 24.11.2017)

Es ist und bleibt ein Kreuz mit dieser Doppelmoral, wir sind die Letzten, die das nicht verstünden:

https://confessiones.online/2017/09/28/wer-wie-kuby-kugler-kelle-zurueck-will-in-eine-konservativ-katholisch-gepraegte-familienordnung-der-vorkriegszeiten-wird-zwangslaeufig-die-fruehere-patriarchalische-doppelmoral-herbeifuehren-woll/

In diesem Artikel haben wir abschließend kommentiert:
„Die auf weitere Befreiung des Menschen drängende gesellschaftliche Entwicklung ab den 60er Jahren des 20. Jh. hat sich auch mit dieser traditionellen Doppelmoral auseinandergesetzt, erst die feministische Emanzipation konnte deren Wirkung wirksam eindämmen.

Wer, wie Kuby, Kugler, Kelle zurück will in eine konservativ katholisch geprägte Familienordnung der Vorkriegszeiten, wird zwangsläufig eine patriarchalische Doppelmoral herbeiführen.“

Im von uns sehr geschätzten standard.at-Forum haben LeserInnen schon gemutmaßt, Strafrichter Andreas Rom werde als künftiger Justizminister Österreichs in einer rechtspopulistisch bis rechts ausgerichteten ÖVP-FPÖ-Regierung gehandelt. Für diesen Kandidaten spräche dessen phänomenales Weißwasch-Potential, wahrhaft ein „weißer Hüne“ im Geiste aller Rechtskatholiken und ihres unermüdlichen Propagandafeldzuges gegen all die „familienfeindlichen“ Verfehlungen der LGBT-Szene und die „Auswüchse“ der Gender-Theorie. Da darf in der Steiermark nicht doch etwa ein männliches Oberhaupt, Bruder des früheren ÖVP-Parteiobmannes noch dazu, aus abgrundtiefem Seelenunheil heraus die eigene (katholische) Familie zerstört haben!

Wenige Fragen hätten wir aus der Confessiones-Redaktion noch anzufügen:

Ist eigentlich österreichischen Ermittlungsbehörden bekannt, wie sehr gerade die Wiener „Opus Dei“-Kaderschmiede IMABE unermüdlich Einfluss auf Ärztekammern in Österreich genommen hat?

Wir zitieren nachfolgend aus einer unserer Veröffentlichungen:

Quelle: https://confessiones.online/2017/10/26/opus-dei-netzwerke-in-oesterreich-erreichen-direkten-einfluss-auf-die-kuenftige-regierung/

Auffällig ist, wie einige Familienclans in Österreich über viele Jahre einen vernetzten medialen Einfluss aufgebaut und vertieft haben, der inzwischen bis zur politischen Einflussnahme auf die höchste Politik genutzt wird. (Diese familiäre Vernetzung scheint zur typischen Arbeitsweise des Opus Dei zu gehören.)

Zusammengefasst fallen diese Familienclans sofort auf:

  • die Brüder Ramón Herrando Prat de la Riba (Spanien) und Enrique H. Prat de la Riba (Wien)
  • der Familienclan der Bonellis, zu dem Johannes Bonelli und Lukas Bonelli sowie deren Kinder Victoria Bonelli, Natalie Maria Bonelli und Raphael Maria Bonelli gehören; Berhard Bonelli, geb. Adamec, hat im Juni 2013 in diesen Clan eingeheiratet, er ist heute enger Berater für Sebastian Kurz (siehe oben)
  • Gudrun Veronika Kugler und deren Ehemann Martin Kugler
  • das Ehepaar Roland Noé und Linda Noé

Ramón Herrando Prat de la Riba, Doktor der Theologie, derzeit Vizekanzler der Opus-Dei-Universität von Navarra mit weiteren Campi u.a. in Barcelona, Madrid und München, und seit 2002 Regionalvikar des Opus Dei in Spanien. Ferner Direktor des Colegio Mayor La Estila in Santiago, Chile von 1964-1971.

http://www.opusdei.es/es-es/article/ramon-herrando-vicario-regional/

Immer wieder zieht es Familienmitglieder dieser Clans nach Spanien oder Chile, wo sie an Opus Dei-Universitäten ihren letzten Schliff und vermutlich weitere Vernetzungsaufträge bekamen.
Beispiel: Der Wiener Psychiater Raphael Bonelli gibt in seinem Lebenslauf selbst an, im Jahr 2010 eine „Gastprofessur an der Universität von Navarra, Spanien“ wahrgenommen zu haben, erwähnt dabei natürlich nicht, dass es sich dabei um eine offizielle Opus Dei-Universität handelt. Ferner gibt er selbst an, 2011 eine Gastprofessur an der Universidad de los Andes und der Universal del Desarollo in Santiago (Chile) wahrgenommen zu haben, deren Träger wiederum das Opus Dei ist.

http://www.bonelli.info/vita.html

Bruder Enrique H. Prat de la Riba ist Mitbegründer des IMABE-Instituts in Wien, einer zentralen Opus Dei-Kaderschmiede in Österreich; weiterer Mitbegründer und Vorsitzender des Kuratoriums des IMABE-Instituts war Diözesanbischof DDr. Klaus Küng, von 1976 bis 1989 Regionalvikar des Opus Dei in Österreich.

https://www.imabe.org/index.php?id=enriqueprat

Johannes Bonelli (Mediziner und Univ.-Prof., Wien) fungiert seit 1990 als Direktor des IMABE-Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik in Wien, der schon erwähnten Kaderschmiede des Opus Dei in Österreich. Von 1996 bis 2011 war er Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben.

https://www.imabe.org/index.php?id=johannesbonelli

Volksschule und Gymnasium hat er in Schärding/Inn in OÖ besucht.

In Schärding 1968 geboren wurde sein Sohn Raphael Bonelli, ein Neurowissenschaftler und Psychiater in Wien, der wiederholt für das Projekt „Demo für alle“ (Stuttgart) aufgetreten ist [hier tun sich dann die Verbindungen zu Gabriele Kuby, Birgit Kelle, Hedwig von Bevervoerde, die AfD-Spitzenpolitikerin Beatrix von Storch und Johannes Freiherr Heeremann auf]. Über einen am 23.01.2016 in Stuttgart veranstalteten „Gender-Kongress“, dessen prominentester Gast Raphael Bonelli war, hat Wolfgang Brosche in die kolumnisten.de berichtet, er konnte dort Hexenjäger identifizieren.

https://diekolumnisten.de/2016/02/02/hexenjaeger/

Diese frühere Veröffentlichung können wir aus aktuellem Anlass noch ergänzen:

Direktor des IMABE-Instituts für medizinische Anthropologie und Bioethik in Wien, ist Johannes Bonelli (Opus Dei), auch Internist in einem Ordensspital. Geschäftsführerin und Schriftleiterin für die PR ist Susanne Kummer, die Tochter von Friedrich Kummer, einem bekannten Internisten und Pneumologen, mutmaßliches Opus-Dei-Mitglied seit den Sechzigerjahren.

http://www.praxisplan.at/661

https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Kummer_(Internist)

Enrique H. Prat de la Riba ist Mitbegründer des IMABE-Instituts in Wien, dessen Bruder Opus-Dei-Regionalvikar in Spanien, Prat und Johannes Bonelli schrieben regelmäßig Kommentare in der „Österreichischen Ärztezeitung“. Der inzwischen verstorbene Walter Dorner, 1999 bis 2012 Präsident der Wiener Ärztekammer, 2007 bis 2012 Präsident der Österreichischen Ärztekammer, war im Kuratorium des IMABE-Instituts, dessen Opus Dei-Mitgliedschaft war schon deshalb sehr wahrscheinlich.

http://www.aekwien.at/-/arztekammer-trauert-um-altprasident-walter-dorner

https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Dorner

http://derstandard.at/1322531573233/Niederoesterreich-Aerztekammer-Dorner-von-Ruecktrittsaufforderung-unbeeindruckt

Könnte es sein, dass der Einfluss dieses Opus Dei-Netzwerkes, der ja bekanntlich über Berhard Bonelli schon persönlich bis zu Sebastian Kurz, dem sicher kommenden Bundeskanzler Österreichs reicht, auch in diesem Fall wieder über mehrere Kanäle geltend gemacht werden konnte: über die ÖVP-Führung (Bruder Dr. Reinhold Lopatka, ein studierter Jurist und Theologe) und parallel über Kontakte in den Ärztekammern Österreichs?

Nun: Viele Wege dieses Österreichs führen nach Rom – hier vielleicht: zu Rom …

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