Österreich: FPÖ-Spitzenpolitiker in den rassistischen, antisemitischen und völkischen Abgründen der Burschenschaften

Nach Informationen des SPIEGEL war Österreichs Vizekanzler, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, zu Gast bei einer deutschnationalen Burschenschaft. Die Truppe war aufgefallen, weil bei ihr Liederbücher mit neonazistischen Texten gefunden wurden. (Quelle: spiegel.de vom 25.01.2018)

http://www.spiegel.de/politik/ausland/oesterreich-fpoe-kontakte-in-die-rechtsradikale-szene-a-1189803.html

In einem gründlich recherchierten Bericht (Quelle s.o.) konnte der Wiener Spiegel-Redakteur Hasnain Kazim nachweisen, wie Österreichs Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache noch im Juni 2017 im Sparkassensaal der Wiener Neustadt auf einem Fest zum 100-jährigen Bestehen der Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt aufgetreten ist. Für seine Verbundenheit zu Burschenschaften erhielt er dort ein Ehrenband vom Österreichischen Pennäler Ring (ÖPR).

»Strache trägt seine Burschenkappe, er selbst ist seit dem Alter von 15 Jahren Mitglied der Burschenschaft Vandalia Wien. Für seine Verbundenheit zur den Burschenschaften wird ihm ein Ehrenband verliehen.

Ausgerechnet Germania: Straches Besuch dort wird ihn in Erklärungsnot bringen. Die 1917 gegründete, deutschnationale Burschenschaft Germania führt den Leitspruch: „Deutsch und treu in Not und Tod“. Unlängst hat die Wiener Wochenzeitung „Falter“ aufgedeckt, dass sie Liederbücher mit neonazistischen und antisemitischen Texten vorhält.

„Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ‚Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million’“, heißt es darin unter anderem. Und: „Da schritt in ihre Mitte ein schlitzäugiger Chines‘: ‚Auch wir sind Indogermanen und wollen zur Waffen-SS.’“ An anderer Stelle wird Österreich als Teil Deutschlands beschworen: „Was ist des Deutschen Vaterland? So nenne mir das große Land! Gewiss es ist das Österreich, an Ehren und an Siegen reich.“« (Quelle: spiegel.de vom 25.01.2018, s.o.)

Nachdem Strache in gewohnter Manier rechts orientierter FPÖ-Spitzenpolitiker behauptete, „nie bei einer Germania-Feier“ gewesen zu sein, vielmehr bei einem Mittagessen beim Österreichischen Pennäler Ring ein „ÖPR-Ehrenband“ erhalten zu haben, dem SPIEGEL sogar „Fake News“ und „unseriösen Journalismus“ vorwarf, den auch noch „fast alle österreichischen Medien völlig kritiklos übernehmen“ würden, legte der SPIEGEL in einem „Faktencheck“ noch einmal die Quellen der Berichterstattung offen. (Quelle: spiegel.de vom 26.01.2018, s.u.)

http://www.spiegel.de/politik/ausland/heinz-christian-strache-war-der-fpoe-politiker-gast-bei-der-burschenschaft-germania-a-1189928.html

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), dem natürlich die Durchdringung der FPÖ durch rechtslastige Burschenschaftler schon bekannt gewesen sein dürfte vor der Regierungsbildung in Österreich, forderte wegen der möglichen Verwendung neonazistischer Lieder die „volle Härte des Gesetzes“. Kurz benannte das fragliche Burschenschaftler-Liedgut allerdings deutlich „rassistisch, antisemitisch und absolut widerwärtig“. Der Journalist Hans-Henning Scharsach, Experte für Rechtsextremismus in Österreich, betonte, es sei ein generelles Problem vieler Burschenschaften, dass sie sich „von der Tradition des Nationalsozialismus nicht gelöst“ hätten und Naziverbrechen verharmlosen oder bestreiten würden. (Quelle: spiegel.de vom 25.01.2018, s.o.)

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https://de.wikipedia.org/wiki/Wiener_akademische_Burschenschaft_Olympia

Das Germania-Liederbuch brachte einen weiteren für seine Verbindungen zu dieser Burschenschaft bekannten FPÖ-Politiker in Erklärungsnot: Der 31jährige Udo Landbauer kandidiert als Spitzenkandidat der FPÖ zur Landtagswahl in Niederösterreich am morgigen Sonntag, er ist immerhin stellvertretender Vorsitzender der Burschenschaft Germania!

»Landbauer war schon früher durch Verfehlungen aufgefallen. So warf er der in dem größten Bundesland Österreichs regierenden ÖVP Ende 2017 eine „Islamisierung unserer Kleinsten in den Kindergärten“ vor, verbreitete eine Fotomontage von Regierungschefin Johanna Mikl-Leitner in ein schwarzes Kopftuch gehüllt und vor einem Minarett, darunter die Worte: „Moslem-Mama Mikl abwählen“, und hielt ihr „Zwangsislamisierung mit aller Gewalt“ vor. Ein „Multikulti-Wahnsinn“ sei das, mit dem man da „zwangsbeglückt“ werde, schimpfte er.« (Quelle: spiegel.de vom 25.01.2018, s.o.)

Natürlich wollte Landbauer die bei der Germania verwendeten Liederbücher nie gesehen haben und behauptete, er habe seine Mitgliedschaft in der Burschenschaft „ruhend gestellt“. Freilich konnte die Polizei bei deiner Hausdurchsuchung der Burschenschaft (mit 70 Mitgliedern) Liederbücher und zwei Ordner mit Unterlagen beschlagnahmen.

Einen knappen Überblick über die „Die Abgründe der Regierungspartei FPÖ“ fassten für welt.de die Autoren Klaus Geiger, Christoph B. Schiltz am 26.01.2018 (in möglicherweise doch etwas zu beschönigender Wortwahl) zusammen:

»Europas älteste rechtsnationalistische Partei ist über die Jahrzehnte ein ähnlich diffuses Gebilde geblieben wie es die junge AfD in Deutschland ist. Wer auf die FPÖ blickt, findet rechtsliberale und rechtskonservative Positionen – und immer auch völkische, antidemokratische, von denen sich die Parteiführung dann regelmäßig schnell distanziert.

[…] Die FPÖ wurde 1956 als Nachfolgerin des Alt-Nazi-Auffang-Partei Verband der Unabhängigen (VdU) gegründet. Nach einem kurzen liberalen Intermezzo führte sie Ex-Parteichef Jörg Haider ab Mitte der 80er-Jahre auf den rechtsnationalen Kurs, auf dem sie bis heute ist – wenn auch inzwischen etwas moderater.

Und die Partei wabert hinein in ein diffuses System studentischer Burschenschaften, in denen fast alle maßgeblichen FPÖ-Spitzenpolitiker Mitglied sind. Verbindungen, die in Österreich häufiger als in Deutschland völkische, oft großdeutsche Positionen vertreten.« (Quelle: welt.de vom 26.01.2018, s.u.)

https://www.welt.de/politik/ausland/article172878461/Oesterreich-Die-Abgruende-der-Regierungspartei-FPOE.html

Am Beispiel der sechs FPÖ-Spitzenpolitiker Heinz-Christian Strache, Norbert Hofer, Herbert Kickl und Manfred Haimbuchner, Johann Gudenus und Anneliese Kitzmüller wurden die in der FPÖ lauernden „Untiefen“ angedeutet:

»Und bis heute ist Strache Mitglied in einer Burschenschaft, der Wiener Vandalia. Was genau in Österreichs Burschenschaften vorgeht, ist schwer zu sagen. Sie sind qua Selbstverständnis verschworene Bünde. […]
Gegen Einwanderung, gegen die Homo-Ehe, für ein rigideres Abtreibungsrecht, EU-kritisch. Zugleich ist auch [Straches FPÖ-Stellvertreter im Parteivorsitz und Verkehrsminister Norbert] Hofer Burschenschafter, er gehört der Vereinigung Marko-Germania in seiner Heimatstadt Pinkafeld im Burgenland an. […]

[Österreichs Innenminister] Kickl war nie Mitglied einer Burschenschaft. Ihm werden aber gute Beziehungen zu den Verbindungen nachgesagt. […]

Der promovierte Jurist und Stellvertreter des oberösterreichischen Landeshauptmanns [Manfred Haimbuchner] ist Mitglied des völkischen sudetendeutschen Witiko-Bundes, der im Visier des Verfassungsschutzes ist, etwa wegen Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen. […]

[Der Wiener Johann Gudenus] stammt aus gutem Hause, er hat eine exzellente Ausbildung genossen, gilt als das elegante und smarte Gesicht der FPÖ. Gleichwohl gehört der 41-Jährige zum rechten Parteiflügel. […] Der enge Gefolgsmann von Strache gehört wie der Parteichef der schlagenden Burschenschaft Vandalia an. Er forderte für „Asylbetrüger“ einen „Knüppel aus dem Sack“ und wetterte gegen die „europäische Homosexuellenlobby“. […]

[Anneliese Kitzmüller] steht am rechten Rand der Partei. Sie ist seit wenigen Wochen sogenannte Dritte Nationalratspräsidentin und spielt damit eine herausragende Rolle in Österreichs Parlament. […] Auch bei Kitzmüller ist die Abgrenzung zu rechtsextremen Positionen unklar. Sie schreibt für die rechtsextreme „Aula“ und ist federführend in zwei deutschnationalen Mädelschaften, dem weiblichen Pendant studentischer Burschenschaften. In der Mädelschaft „Iduna zu Linz“ wird etwa zu Weihnachten das Julfest zelebriert, eine nationalsozialistische Variante des Weihnachtsfestes.« (Quelle: welt.de vom 26.01.2018, s.o.)

Über die Karriere Herbert Kickls vom Rechtspopulisten und Redenschreiber Jörg Haiders bis zum mit Rechtsradikalen (aus Deutschland) vernetzten Politiker im Zentrum der Macht Österreichs haben wir hier schon mehrfach berichtet, zuletzt in einem Gesamtüberblick über dessen Person:

Herbert Kickls politische Karriere

Heinz-Christian Strache ist ein Teil unseres schon häufig abgerufenen Beitrages „Österreich auf dem Weg zur Orbánisierung – Opus-Die-Netzwerke mischen kräftig mit“ gewidmet:

Österreich auf dem Weg zur Orbánisierung

Unsere Schlussfolgerungen sind immer noch aktuell, sie bestätigen sich tagtäglich aufs Neue:

Von einer ÖVP-FPÖ-Koalition wird nichts anderes zu erwarten sein als ein klarer Rechtsruck mit deutlich beabsichtigter Signalwirkung in Europa. In der Mehrzahl der deutschsprachigen Medien wird die EU-Feindlichkeit der FPÖ problematisiert, der gegenüber sich ÖVP-Chef wiederholt mit verbalen Bekenntnissen zur EU gekonnt profilieren konnte. Tatsächlich ist nur „eins und eins“ inhaltlich wie personell zusammenzuzählen, diese Koalition will ein anderes Europa als das bestehende. Nicht länger jenes, welches der SPIEGEL gerade erst mit seiner Titelstory, einem Interview mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, sehr bewusst in Erinnerung bringen wollte (42/17 vom 14.10.2017, S. 12 ff.). Macron im Wortlaut: „Für mich besteht Europa aus drei Dingen: Souveränität, Einheit und Demokratie. Wenn wir uns diese Ziele vor Augen halten und geschlossen darauf hinarbeiten, dann – und nur dann – können wir auch unser Versprechen halten: Frieden, Wohlstand und Freiheit zu gewährleisten.“ (ebd. S. 15)

Wir wollen hier […] herausstreichen, dass eine rechtspopulistische bis rechte ÖVP-FPÖ-Koalition in Österreich keine der von Macron genannten EU-Grundlagen und -Ziele noch erhalten würde, sie würden alle ausgehöhlt und zerstört werden, wenn die politischen Ziele dieser Koalition nicht gestoppt werden. Erster Zwischenschritt: die Aufspaltung Europas in zwei unvereinbare Lager.

Weitere sehr empfehlenswerte Links auf die tagesaktuelle Berichterstattung des Wiener Standard:

Die Affäre um Niederösterreichs Spitzenkandidaten Udo Landbauer erfasst nun den FPÖ-Chef. Die ÖVP fühlt sich durch den Koalitionspartner angepatzt. (Quelle: standard.at vom 26.01.2018, s.u.)

https://derstandard.at/2000073027606/NS-Liederbuch-Affaere-Strache-war-Gast-bei-Germania-zu-Wiener

Auch im Nationalrat greift die FPÖ weiter auf Personalreserven aus den Burschen- und Mädelschaften zurück. (Quelle: standard.at vom 26.01.2018, s.u.)

https://derstandard.at/2000073029690/Buende-fuers-Leben-FPOe-Minister-vertrauen-auf-Burschenschafter

Erste Einvernahmen am Freitag – Vizekanzler Strache betont, nicht an Germania-Feier teilgenommen zu haben, Landbauer geht medial auf Tauchstation. (Quelle: standard.at vom 26.01.2018, s.u.)

https://derstandard.at/2000073059211/Strache-betont-nicht-an-Germania-Fest-teilgenommen-zu-haben

Das Problem der FPÖ ist seit den Anfangsjahren ihr ungeklärtes Verhältnis zum Nationalsozialismus und Rechtsextremismus. (Quelle: standard.at vom 26.01.2018, s.u.)

https://derstandard.at/2000073101842/Eine-kurze-Geschichte-der-FPOe

In der Affäre um ein NS-Liederbuch hat die Staatsanwaltschaft erste Beschuldigte einvernommen. Der Justizminister garantiert ein unabhängiges Verfahren. DER STANDARD gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen: (Quelle: standard.at vom 26.01.2018, s.u.)

https://derstandard.at/2000073097149/Die-Burschen-und-ihre-Lieder-Was-Sie-zur-Causa-Landbauer

Die jetzige FPÖ besteht fast nur aus Burschenschaftern. Eine kleine, großteils ultrarechte Clique hat die Partei gekapert. Das ist die „tiefe FPÖ“. (Quelle: standard.at vom 27.01.2018, s.u.)

https://derstandard.at/2000073026989/Kurz-will-die-tiefe-FPOe-nicht-sehen

Die Vorgehensweise der Rechtspopulisten und Rechten gleicht sich in Österreich (FPÖ) wie in Deutschland (AfD). Wie hatte der Autor dieser Zeilen seine Strafanzeige gegen den Lübecker Unternehmer Winfried Stöcker nach dessen rassistischen Äußerungen in einem Interview der „Sächsischen Zeitung“ Ende Dezember 2014 begründet?

»Fasst man das Muster der rechtsextremen, fremdenfeindlichen und rassistischen Entgleisungen einzelner Stimmen aus dem bürgerlichen Lager zusammen, so ergibt sich in der Wirkung, dass inzwischen in regelmäßigen Abständen eher „honorige Bürger“ Deutschlands öffentlich mit Äußerungen zitiert werden, von denen man noch vor wenigen Jahren gedacht hätte, sie wären vielleicht einem rechtsradikalen Bodensatz der deutschen Gesellschaft zuzurechnen, aber eben nur still gedacht oder höchstens am Stammtisch geäußert.
Die „Mitte im Umbruch“ vollzieht sich in kleinen Schritten, wir sind heute bereits wieder so weit, dass öffentlich volksverhetzend „gedacht“ und „unbedacht geäußert“ werden darf, um anschließend ebenso öffentlich darüber zu räsonieren, wie das gleiche politische Credo besser doch noch politisch korrekt sprachlich formuliert werden sollte.
So verschiebt sich das Wählerpotential einer „rechtpopulistischen Partei“ langsam nach rechts, so wird Rechtsextremismus langsam wieder salonfähig in Deutschland. […]«

Ähnlich kommentierte jetzt die „Süddeutsche Zeitung“ die o.g. jüngsten Enthüllungen über FPÖ-Spitzenpolitiker in den Burschenschaften:

»Die Debatte der vergangenen Tage zeigt: Es hat erschreckend gut funkioniert. Diesmal geht es um einen ganz besonders abstoßenden Satz: »Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million«, so steht es im Liederbuch einer österreichischen Burschenschaft. Wer so etwas sagt, der verherrlicht den Holocaust nicht nur, er wünscht noch mehr Tote, noch eine Million mehr Tote.

Dieser Satz hätte die Grenze sein müssen, doch er ist es nicht. Er hätte eine rote Linie sein können, doch er ist es nicht. Am Ende ist auch dieser Satz nur eine Unappetitlichkeit mehr, mit der man gerade noch so durchkommt.

Das Liederbuch der »Germania« in Wiener Neustadt wurde 1997 gedruckt. Der langjährige stellvertretende Vorsitzende dieser Burschenschaft heißt Udo Landbauer, er ist seit 18 Jahren Mitglied der Germania und seit einigen Jahren Chef der FPÖ in Niederösterreich. […] 

Am Samstag ist Holocaust-Gedenktag. Und am Sonntag tritt derselbe Udo Landbauer als Spitzenkandidat zur Niederösterreich-Wahl an, alle Umfragen sagen ihm große Gewinne voraus, er wird danach in der Landesregierung sitzen. Landbauer hat sich pflichtschuldig von dem Lied distanziert, doch er hat keinen Fehler eingeräumt, nicht den kleinsten. Er hat nicht einmal sein Bedauern ausgedrückt, er inszeniert sich als Opfer einer politischen Kampagne, und auf seiner Facebookseite prangen seit ein paar Tagen drei Worte: »JETZT ERST RECHT«. Es sind dieselben drei Worte, die Kurt Waldheim, Kandidat zur Bundespräsidentschaftswahl 1986, plakatieren ließ, nachdem man seine Mitgliedschaft in der SA thematisiert hatte. Jetzt erst recht.« (Quelle: sz-magazin.sueddeutsche.de, s.u.; Hervorhebungen durch uns)

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/46879/In-OEsterreich-gibt-es-bald-keine-roten-Linien-mehr

Zwischen dem Unternehmer Winfried Stöcker und den FPÖ-Spitzenpolitikern gibt es noch weitere Parallelen:

1) Während die Ende 2014 gestellten Strafanzeigen wegen Volksverhetzung von Lübeck zur zuständigen Staatsanwaltschaft nach Sachsen weitergeleitet wurden [jenem Bundesland, in welchem die AfD die höchsten Stimmengewinne bei der Bundestagswahl einfahren und sogar mit 27% der Stimmen zur stärksten Kraft werden konnte und wo auch die CDU sich weitgehend anders darstellt als in vielen anderen Bundesländern], welche sie schon nach mehreren Monaten einstellte, kann sich in Niederösterreich Udo Landbauer der Rückendeckung durch den FPÖ-Innenminister Kickl sicher sein.

»Der Bundeskanzler Sebastian Kurz reagiert mit allgemein gehaltenen Tweets, in denen er Null Toleranz“ gegen Antisemitismus behauptet, aber er toleriert selbstverständlich seinen Vizekanzler Strache, der erst vor wenigen Monaten bei der 100-Jahr-Feier der »Germania« aufgetreten ist und er toleriert selbstverständlich seinen Innenminister Kickl, der – wie als Anweisung an die ihm unterstellte Polizei – öffentlich verkündet, dass es keine Ermittlungen gegen Landbauer geben wird.« (Quelle: sz-magazin.sueddeutsche.de, s.o.)

2) »In einem offenen Brief fordern 160 Professoren und Universitätsangehörige Kurz auf, endlich die Zusammenarbeit mit Rechtsextremen zu beenden. Doch würde Kurz das tun, wäre er nicht mehr Kanzler.« (Quelle: sz-magazin.sueddeutsche.de, s.o., Hervorhebungen durch uns)

Am 21.01.2018 berichteten die „Lübecker Nachrichten“ von einem Offenen Brief neun ehemaliger Uni-Professoren, worin diese die Uni-Präsidentin aufgefordert haben, »Winfried Stöcker die Honorarprofessur zu entziehen. Es sei ein Moment erreicht, in dem Worte zu Makulatur werden, wenn ihnen nicht Taten folgen. Auch die Studierenden sagen: „Es reicht!“

Der offene Brief lässt an Vehemenz nichts vermissen und ist direkt an die Uni-Präsidentin gerichtet. „Stoppen Sie alle von Herrn Stöcker mitfinanzierten Projekte der Universität. Fassen Sie einen Beschluss zur Aberkennung der von der Universität verliehenen Honorarprofessur. Und lassen Sie sich dabei nicht von formalen Hürden zurückhalten“, schreiben die neun Professoren, allesamt ehemalige Direktoren verschiedener Abteilungen des Uniklinikums und damit Mitglieder der Lübecker Uni.

Damit setzen die ehemaligen Hochschullehrer – darunter Alt- Präsident Peter Dominiak, Neurochirurg Hans Arnold sowie Ex- Frauenklinikchef Klaus Diedrich – den Proteststurm fort, der als Reaktion auf die Weihnachtsbotschaft des Euroimmun-Gründers Prof. Winfried Stöcker losbrach. […]

Das Weltbild, das Stöcker seit Langem vermittle, stehe diametral zu dem Bekenntnis der Universität zu Diversität und Chancengleichheit in ihrem Leitbild. „Deshalb fordern wir seit Jahren, dass Winfried Stöcker die Honorarprofessur entzogen wird und die Universität sich von ihm trennt“, erklärt der Asta- Vorsitzende [Swen Gärtner] mit Nachdruck, „die Präsidentin hat sich bereits kritisch geäußert. Jedoch müssen diesen Worten nun auch Taten folgen.“ […]

Für die [Uni-Präsidentin, eine] Humangenetikerin, die seit dem 1. Januar an der Spitze der Hochschule steht, ist es die erste große Bewährungsprobe in ihrem Amt. „Auch in unserem Senat wurden die aktuellen Vorfälle diskutiert“, bestätigt sie. Und den Zuspruch, den sie von vielen Seiten zu ihrer persönlichen Haltung bekommen habe, nehme sie zur Kenntnis.

„Es obliegt dem Präsidium, in der Sache zu entscheiden. Wir beraten zur Zeit intensiv, wie mit der Honorarprofessur von Professor Stöcker zu verfahren ist. Die rechtliche Beurteilung ist dabei entscheidend und braucht Zeit.« (Quellen: „Lübecker Nachrichten“ vom 21.01.2018, S. 16 und ln-online vom 21.01.2018, s.u.)

3) Die Auffassungen der Lübecker Unipräsidentin, einer Humangenetikerin, sind überhaupt nicht mit den politischen Überzeugungen und Zielsetzungen des österreichischen Bundeskanzlers Kurz vergleichbar.

Eine weitere Parallele liegt vielmehr in den Überzeugungen und Zielsetzungen Winfried Stöckers mit jenen führender FPÖ-Politiker in Burschenschaften. Diese Rechtspopulisten w o l l e n gar nicht (mehr) ehrenhafte Wissenschaftler aus einer bürgerlichen Mitte ansprechen, deren Empörung nehmen sie schlichtweg in Kauf. Strategie dieser Rechtspopulisten ist es vielmehr vorrangig, durch Inszenierung von öffentlichkeitswirksamem Krawall Zielgruppen weiter rechts von der bürgerlichen Mitte – oft genug „einfach gestricktere“ Gemüter – aufzustacheln zu mutigeren Bekenntnissen (und Aktionen) gegen das „verhasste System“ mit seiner „Lügenpresse“ und ständigen Rücksichten auf geltende Menschenrechte. Von r e c h t s wird die Gesellschaft aufgerollt in Österreich wie in Deutschland.

Mobilisierung des Mobs stand schon immer im Zentrum der Strategie von Rechtspopulisten und Rechten. Nachzulesen besonders in den bahnbrechenden Untersuchungen Hannah Arendts.

Wir sind Zeitzeugen eines solchen sich wiederholenden Prozesses und a l l e demokratisch orientierten gesellschaftspolitischen Kräfte sollten sich zunächst immer wieder einig sein, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sowie demokratiefeindlichen Bestrebungen g e m e i n s a m zu begegnen.

Wir brauchen zudem besonders eine geeignete Strategie gegen die Wirkkräfte der Rechtspopulisten in denjenigen Zielgruppen und Wählerschichten, aus welchen sie ihren Mob rekrutieren wollen: Reale soziale Perspektiven und nachhaltige Überzeugungskräfte f ü r den Erhalt der Menschenrechte in der ganzen Welt und für mehr Demokratie in Europa.

Im von Rechtspopulisten geführten Kulturkampf ist nicht (hilflos) defensiv geführtes „Reden mit Rechten“ gefragt, sondern eine (überlegte) offensive überzeugende Auseinandersetzung mit verfälschenden Wertorientierungen durch Rechtspopulismus.
L e b e n wir weiterhin die Freiheit des Menschen, nehmen wir im Alltag gegenüber Mitmenschen die christlichen Botschaften ernst und/oder (je nach eigener Überzeugung) setzen wir die Tradition der europäischen Aufklärung bis zur Erklärung der Menschenrechte und bis zu deren Fortschreibung in der Neuzeit tagtäglich g e l e b t um! Kein Rechtspopulist kann sich mit Recht auf Traditionen des  „christliche Abendlandes“ berufen, sie alle wollen den Bruch mit dieser Tradition.

 

Aktuelle Ergänzungen vom 01.02.2018

https://www.welt.de/politik/ausland/article173100642/Oesterreichischer-FPOE-Politiker-Landauer-stolpert-ueber-NS-Liedbuch.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/oesterreich-fpoe-politiker-udo-landbauer-tritt-wegen-buch-mit-nazi-liedern-zurueck-a-1190963.html

https://kurier.at/politik/inland/ns-liederbuch-illustrator-aus-spoe-ausgeschlossen/308.937.808

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