Die verlogene Rolle der Wiener ÖVP-Nationalrätin Gudrun Kugler als „ÖVP-Menschenrechts-Beiratssprecherin“ – Trugbilder aus der OD-Parallel-Welt nun durch Fakten widerlegt.

Wie hat sie noch geschimpft über „die österreichischen (Links-)Medien wie Standard, Kurier und ORF“, haben jene ihr doch ihre seit vielen Jahren öffentlich geheuchelte Selbstdarstellung als Expertin für „Europarecht und internationales Recht“ und „Menschenrechte im Internationalen Strafrecht“ nicht abnehmen wollen, nachdem sie Ende Januar 2018 zur „ÖVP-Menschenrechtssprecherin“ ernannt worden war [vgl. Quelle: standard.at]! Sogleich sind ihr die rechtskatholischen, aus dem Opus Dei beeinflussten, Netzwerke zur Seite gesprungen. In einem jener Sprachrohre, dem von den Geschwistern Noé gegründeten und einst von der Katholischen Kirche Österreichs noch finanziell unterstützten kath.net, durfte sie sich empören: »Öst. Medien verunglimpfen Gudrun Kugler als ‚katholische Hardlinerin’« (Quelle: kath.net vom 28.01.2018, s.u.).

http://www.kath.net/news/62551

Nach erst wenigen Monaten im Amt haben sich ÖVP- und FPÖ-Regierungsmitglieder und eben jenes seit Jahren professionell operierende Rechtskatholiken-Netzwerk die österreichischen (Links-)Medien vorgenommen. In einem Facebook-Posting hatte FPÖ-Parteichef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache ein Foto des ORF-Moderators Armin Wolf zusätzlich mit einem Bild Pinocchios versehen und als Slogan hinzumontiert: »Es gibt einen Ort, an dem Lügen zu Nachrichten werden. Das ist der ORF.«  (Quelle: spiegel.de, s.u.) Der ORF erwägt als Reaktion eine Klage gegen Vizekanzler Strache.

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/armin-wolf-orf-moderator-will-fpoe-chef-strache-verklagen-a-1193296.html

Eine Mischung aus Fake-News, zweckbetont aufbereiteten rechtspopulistisch wirksamen Slogans (stark angereichert mit dem rhetorischen Mittel des Euphemismus) sowie persönlich herabwürdigenden Beschuldigungen der „Feinde“ und „Gegner“ als Teil einer strategisch aufgebauten Treibjagd wird in regelmäßigen Abständen zu geeigneten Anlässen in von eigenen Netzwerken kontrollierte oder befreundete Medien lanciert. Dass ein herausragendes Mittel dabei die Zuspitzung in der Provokation ist, die dann schnell wahlweise als „Versehen“, als „Satire“ oder im Sprachgebrauch „leicht verfehlt“ bzw. „falsch verstanden“ relativiert wird, damit Klagen wegen Beleidigung oder Volksverhetzung ins Leere laufen können, kennen wir von Österreichs FPÖ-Innenminister Herbert Kickl, der seinen Aufstieg ins Zentrum der Macht raffiniert kalkulierter Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation (mit eigener Werbeagentur und schließlich als FPÖ-Generalsekretär) verdankt. Als ebensolcher Provokations-Spezialist hat sich mehrfach der inzwischen 1,3 Mrd. €uro schwere Lübecker Unternehmer Winfried Stöcker für den Rechtspopulismus ausgezeichnet. (Wir berichteten, vgl. die eingebundene Verlinkung.)

In diesen Tagen haben sich die deutschen AfD-Rechtsaußen Björn HöckeAndré Poggenburg und Jens Meier , der eine Anklage wegen rassistischer Tweets gegen Noah Becker gerade trickreich vermeiden wollte, zum wiederholten Male als weitere politisch gefährliche Einpeitscher in dieser deutsch-österreichischen Phalanx hervorgetan.  Sie alle nutzen die Provaktion und Verunglimpfung als wichtigste Waffe in ihrem Kulturkampf, der sich in Österreich nun ausgehend vom eroberten Machtzentrum als sukzessive Zurückdrängung, Beschneidung und schließlich Zersetzung gewachsener demokratischer Strukturen erweist. Gegenüber den Anhängern und Wählern in den Mittelpunkt gerückt werden dadurch eine „identitäre“ Ordnung versprechende Stereotype wie „Heimat“ und „Nation“, mit gegenüber „Kultur-Fremden“ und „Feinden“ durchsetzungsfähigen Männern. [Vgl. Abschnitt Winfried Stöckers rassistische und sexistische Äußerungen bestärken den rechtspopulistischen und rechtskatholischen Kulturkampf  – gebündelt im „identitären“ Kampf der Rechten für „Geborgenheit“ und „Heimat“ in der eigenen „Nation“. in unserem analytischen Bericht über die genutzten Stereotype Winfried Stöckers.]  

Der abgrundtief verlogen geführte Kampf des Wiener Ehepaars Gudrun und Martin Kugler für angeblich bedrohte Menschenrechte“ der Christen in Europaund gegen gleiche Rechte für Homosexuelle

Verwunderlich ist es nicht, dass die Wiener ÖVP-Politikerin Gudrun Kugler, die über die „Liste Kurz“ als dessen enge Mitstreiterin und wohl auch Vertraute in den Nationalrat gewählt wurde, ausgerechnet in diesen Tagen sozusagen flankierend zu FPÖ-Straches Ausfällen gegen den ORF in vermeintlich eigener Sache „die österreichischen (Links-)Medien wie Standard, Kurier und ORF“ angreift. Was ist das Ziel dieser ersichtlich abgestimmten Kampagne?
Offensichtlich soll der Einfluss auf den ORF aus den gerade eroberten Zentren der Macht heraus kontrollierend, letztlich wohl die freie Berichterstattung einzelner kritischer Journalisten einschränkend, forciert werden. tagessschau.de zitierte am 15.02.2018 den ARD-Korrespondenten Mandlik, der von einer „neue[n] Qualität“ im Versuch der Einflussnahme sprach:

»Ganz einfach dadurch, dass die FPÖ nun als Regierungspartei wesentlich mehr Einfluss auf den Sender nehmen kann – über den Stiftungsrat oder den Publikumsrat, wie die Gremien beim ORF heißen. Man versucht da durchaus klarzumachen: Wir wollen auf den ORF politischen Einfluss nehmen. […]

Der eigentliche Hintergrund ist, dass in der Schweiz Anfang März eine Volksabstimmung über die Abschaffung von Rundfunkgebühren des dortigen öffentlich-rechtlichen Senders SRG stattfinden wird. Das würde faktisch zum Ende dieses Systems in der Schweiz führen. Die rechtspopulistischen Parteien in Europa sind so gut vernetzt, dass sie jetzt gegen öffentlich-rechtliche Systeme insgesamt Stimmung machen möchten. Da baut man auch in Österreich jetzt schon vor und versucht, den ORF als öffentlich-rechtliche Institution madig zu machen. […]

Man wird versuchen, in den Gremien – die in vielen Ländern parteipolitisch besetzt sind – Personen auszutauschen und entsprechend zu positionieren, um Einfluss auf die Arbeit in einem solchen Sender zu gewinnen. Sicherlich könnte es auch passieren, dass versucht wird, aus der Sicht der FPÖ möglicherweise missliebige Sparten abzuschaffen oder zumindest zu verändern. Es gibt etwa den Sender FM4 Radio, der sehr gutes und engagiertes Kulturprogramm macht, manchen Rechtspopulisten aber ein Dorn im Auge ist.

Was genau passieren wird, wird man spätestens Mitte oder Ende Mai sehen, wenn die ersten Ergebnisse der Medienenquette vorliegen.« (tagessschau.de vom 15.02.2018, Quelle: s.u.)

https://www.tagesschau.de/ausland/orf-fpoe-mandlik-101.html

HC Strache, Österreichs FPÖ-Vizekanzler, droht in diesem Sinne bereits u.a in eigenen Facebook-Posts mit „Kündigungen“ und einer finanziellen Austrocknung des TV-Senders durch Abschaffung der Rundfunkgebühren. Unzweideutig wird mit Erpressung gearbeitet, sollten weiterhin kritische Reportagen oder Kommentare über die rechtspopulistische Regierungspolitik ausgestrahlt werden. Ein kleiner Vorgeschmack auf die sicherlich angestrebte Austrocknung und Einschränkung des demokratischen Rechtes auf freie Meinungsfreiheit, die Rechten immer schon ein Dorn im Auge war. Im Wortlaut:

»Dieser ORF (Rotfunk) ist nur mehr eine Zumutung. Nicht nur ein schlechtes Programm, den Bildungsauftrag und die Objektivität nicht erfüllend, die erkennbare parteipolitische Schlagseite, keine objektive Informations- und Einladungspolitik, und jetzt wird auch noch jemand (wie Sido), der durch primitive Schimpftiraden und Beleidigungen, mit Gewalt und offensichtlichem Drogenmissbrauch aufgefallen ist, wieder in den ORF zurückgeholt? Dieser ORF-Spitze gehört die Kündigung ausgesprochen und das sofortige Ende der ORF-Zwangsgebühren durchgesetzt!!!«

Quelle: facebook.de, Account HC Strache

Muster der ÖVP-FPÖ-Regierung sind die Kampagnen der deutschen CDU/CSU gegen die vorgebliche „Rotfunk”-Berichterstattung in der ARD, wobei damals insbesondere der WDR und der NDR angegriffen wurden. In den 70er Jahren wurde so in der Medienpolitik das Rollback gegen „Einflüsse der 68er-Bewegung” – heute ja wiederum ein häufig reanimiertes Feindbild der Rechtspopulisten in Österreich wie in Deutschland (u.a. Gabriele Kuby, CSU-Dobrindt, FPÖ- wie AfD-Politiker)  – eingeleitet. Diese Kampagnen bereiteten mit Erfolg die Kanzlerschaft Helmut Kohls und unter dessen Regierung die Einführung des deutschen Privatfernsehens vor. (Vgl. z.B. spiegel.de vom 14.08.1978, Quelle s.u.).

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40607297.html

Bis zur Zerschlagung der öffentlich-rechtlichen Medien reichte der avisierte Machtanspruch dann doch nie – bisher. Im Gegenteil: Helmut Kohls Intimus Leo Kirch, dessen SAT 1-TV er stets nur seine ganz besonders nichtssagenden Exklusiv-Interviews gewährte, musste 2002 eine Zerschlagung dessen Konzerns, der Kirch-Gruppe, hinnehmen.
Heute regieren jedoch nicht Konservative in Österreich, sondern Rechtspopulisten und Rechte; in Deutschland sind am Horizont (erste) inhaltliche Annäherungen zwischen der CSU Dobrindts, Minderheiten in der CDU und der stetig weiter nach rechts auspendelnden AfD erkennbar. Wenn diese Netzwerke wieder „die 68er-Bewegung“ und deren Einflüsse in der ihnen so verhassten „Lügenpresse“ zu einem ihren Hauptfeinde erklären, scheinen die Zielsetzungen der endgültigen Zerschlagung freier und kritischer Berichterstattung wohl schon durch. Rollback 2.0 im k.u.k.u.k. [Kugler und Kurz und Kickl] Österreich(-Ungarn).

Das seit vielen Jahren rechtskatholisch ausgerichtete Netzwerks Gudrun Kuglers und ihres Ehemanns Martin Kugler haben wir schon häufiger hier beschrieben, zusammengefasst im Personenregister:

Gudrun Veronika Kugler (Theologin, Juristin, Politikerin der ÖVP) → ÖVP (seit Oktober 2015 im Wiener Gemeinderat und Landtag, seit 2017 im Nationalrat), siehe auch: Birgit Kelle (Unterstützerin im Wahlkampf) → Europa für Christus! → Kathtreff.org (erstes katholisches Heiratsportal), siehe auch: Salzburger Weihbischof Andreas Laun und Wiener Erzbischof und Kardinal Christoph Schönborn → Internationales Institut für Studien zu Ehe und Familie (Wien) → Dr. Karl-Kummer-Institut → Kirche in Not → christianophobia.eu („Dokumentationsarchiv der Diskriminierung von Christen in Europa“) → Lebensrechtsbewegung → Kairos-Consulting (mit Ehemann Martin Kugler, dort: → Projekte) → Opus Dei, siehe auch: Martin Kugler

Martin Kugler (Historiker, Ehemann Gudrun Veronika Kuglers) → Opus Dei (eh. Pressesprecher) → Studenten helfen Lateinamerika → Kathtreff.org (erstes katholisches Heiratsportal), siehe auch: Salzburger Weihbischof Andreas Laun und Wiener Erzbischof und Kardinal Christoph Schönborn → parkatt.hu (Katholische Singles in Ungarn) → katSus.org (Katholische Singles in Kroatien) → christianophobia.eu („Dokumentationsarchiv der Diskriminierung von Christen in Europa“) → Kairos-Consulting (mit Ehefrau Gudrun Veronika Kugler, → dort: Projekte) → European Dignity Watch, siehe auch: Sophia Kuby → vatican-magazin.de (Unterstützung der österreichischen PR-Kampagne) → europe4christ.net (Europa für Christen) → Päpstliche Hochschule Heiligenkreuz (Hochschule „Papst Benedikt XVI“)

Noch im Dezember 2017 hatten sie gemeinsam durch Facebook-Posts im Account Martin Kuglers ihre Sündenbock-Jagd auf Homosexuelle und Muslime eröffnet. (Vgl. die hier veröffentlichte Kolume Diana Sonntags vom 12.12.2018 mit den zahlreichen Quellen aus Gudrun Kuglers Facebook-Auftritt.)  Zugleich riefen sie wenige Wochen vor Weihnachten zu einem Fackelzug in Wien am „diesjährige[n] Aktionstag zum Internationalen Tag der Menschenrechte”, am 12.12., auf (vgl. ebenda). Absurdes Motto: „Stopp Christenverfolgung”!

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Tatsächlich ließ sich Österreichs Kanzler Sebastian Kurz nicht lumpen und auf der Kundgebung ein Grußwort verlesen. Ex-Opus Dei-Pressesprecher Martin Kugler und Grudrun Kugler betreiben seit vielen Jahren ein eigenes „Dokumentationsarchiv der Intoleranz gegen Christen in Europa“, das sie in schöner Regelmäßigkeit gern als unabhängige, objektive Quelle öffentlich zitieren.

Martin Kugler hielt im Jahre 2016 einen Vortrag über „Religionsfreiheit und Intoleranz“ vor dem Rat der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) in Monaco und ließ anschließend einen „Gastkommentar“ im von vernetzten Freunden betriebenen kath.net unter dem vielsagenden Titel „Ausgrenzung und Diskriminierung von Christen in Europa“ veröffentlichen:

http://kath.net/news/57064

Gudrun Kugler geriert sich dabei zu gern als moderne Sophie Scholl und postet dann gern Erklärungen, in welchen Sie sich als „engagierte Verteidigerin“ der Menschenrechte darstellt. Sinngemäß so:

2017_12_12_sophie_scholl

Wie aber steht es nur wirklich um die „Christenverfolgungen in Europa“?

Die für „linkslastige“ Berichterstattung eher nicht bekannte deutsche Tageszeitung WELT titelte am heutigen 16.02.2018:
»Juden und Muslime leben in Deutschland gefährdeter als Christen«

»Juden wurden im Jahr 2017 am häufigsten Opfer von politisch motivierter Gewalt. Auch Muslime waren deutlich gefährdeter als Christen, zeigen aktuelle Zahlen. Diese lassen Kritik an der Bundesregierung laut werden.

In Deutschland gab es im Jahr 2017 rund 20 Mal mehr antisemitische und antimuslimische Straftaten als Straftaten gegen Christen. Das ergibt sich einem Bericht der „Mitteldeutschen Zeitung“ zufolge aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion.

Demnach wurden 2017 im Rahmen des kriminalpolizeilichen Meldedienstes 1495 politisch motivierte Straftaten mit antisemitischem Hintergrund erfasst, 1069 mit islamfeindlichem Hintergrund und 127 mit christenfeindlichem Hintergrund. Insgesamt stehen damit 2564 Straftaten gegen Juden und Muslime 127 Straftaten gegen Christen gegenüber.

Vorletzte Woche war bekannt geworden, dass das Bundeskriminalamt 2017 fast 100 Übergriffe auf Christen gezählt hatte. Darunter waren ein Mord, neun Körperverletzungen und ein Fall von Brandstiftung. Nach früheren Meldungen über solche Übergriffe hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) darauf gedrängt, sie 2017 erstmals vom BKA gesondert zu erfassen.« (Quelle: welt.de vom 16.02.2018, s.u., Hervorhebungen durch uns)

https://www.welt.de/politik/deutschland/article173639798/Uebergriffe-Juden-und-Muslime-in-Deutschland-gefaehrdeter-als-Christen.html

Und über Hans Scholl, den Bruder Sophie Scholls, eine zentrale Person der Widerstandsgruppe Weiße Rose, wurde nun nach aktuellen historischen Forschungen bekannt, dass jener bereits wegen verbotener homosexueller Kontakte in NS-Untersuchungshaft gekommen war.

Historiker Zoske schreibt nach der hier wiederum zitierten WELT,

»offen heraus, dass Hans Scholl bisexuell war. Zumindest 1935/36 hatte er, im Alter von 16 und 17 Jahren, homosexuelle Kontakte mit Jungen aus seiner HJ-Gruppe auf Gruppenfahrten und in Zeltlagern gehabt. Das war seinerzeit strafbar. Scholl räumte im Verhör die Vorwürfe ein und bezeichnete sich selbst als „schuldigen Teil“. 17 Tage verbrachte er in Untersuchungshaft, bis er freikam und später seine Strafe per Amnestie erlassen wurde.« (Quelle: welt.de vom 15.02.2018, s.u.)

Ja, Möchtegern-Vorkämpferin für die Menschenrechte , die nach Opus Dei-Lesart selbstredend in Europa nur für Christen bedroht seien: Von der sicherlich doch wohl unverdächtigen deutschen Kriminalpolizei erhobene Daten ergeben gerade von demjenigen Land, über welches Kurz, Kickl und Strache nur schlimmste Zerrbilder zur Welle von Flüchtlingen und deren ach so erschreckende Wirkungen auf die innere Sicherheit verbreiten, ein vollkommen anderes Bild:

W e r wohl wird vornehmlich Straftaten gegen Juden und Muslime begangen haben?
Und w e r hat in den dunkelsten Jahren der deutschen Geschichte Homo- und Bisexuelle verfolgt, sie dann später sogar wegen ihres Widerstands hinrichten lassen?

Nur jahrelange mit Gehirnwäschevergleichbare Manipulation in den Netzwerken einer nicht unbekannten Organisation kann den Geist so verblendet haben, dass aus Tatsachen über die Angriffe auf Juden und Muslime (und durchaus auch einzelne Christen) einseitige rechtspopulistische Kampagnen gestrickt werden können. Und derselben Gehirnwäsche vergleichbarer Manipulation dürfte es zu verdanken sein, dass frau sich auf Sophie Scholl berufen und als Vorkämpferin für Menschenrechte dadurch profiliert, dass sie Homosexuellen keine Gleichstellung vor dem Gesetz einräumen möchte. Hans Scholl ist eben wegen seiner sexuellen Präferenzen erstmals in NS-Untersuchungshaft geraten, Präferenzen, die in unseren Tagen besonders auch aus dem Opus Dei heraus verleumdet und ähnlich einer Hexenjagd an öffentliche Pranger gestellt werden.

Wenn Sebastian Kurz als Bundeskanzler Österreichs gerade solche doppelzüngig operierenden rechtskatholischen Netzwerker in den Kreis seiner engeren Vertrauten einbezogen hat, lassen sich entsprechende Wahlverwandtschaften auf dem gemeinsamen Weg zur Orbánisierung Österreichs sicher wohl verorten:

Österreich auf dem Weg zur Orbánisierung – Opus Dei-Netzwerke mischen kräftig mit

Eine der besten Antworten auf rechtskatholische Versuche, Werte wie das Ausleben der eigenen Freiheit und Würde einer Person1) umzudeuten und dadurch ihrer eigentlichen Substanz berauben zu wollen, haben vermutlich zwei Künstler 1973 auf einer Performance-Bühne in London gegeben: Marianne Faithful und David Bowie besangen sich gemeinsam im »I Got You Babe«:

Welch wundervolle Satire auf die vollkommen verlogene rechtskatholische Doppelmoral und deren autoritär-repressive Bibel-Ausdeutung der heiligen Familie!

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1) Freiheit und Würde einer Person hier im aufgeklärten Sinne der praktischen Philosophie Kants verstanden:

»Die zentrale Idee der Ethik als Theorie des sittlichen Wollens und Handelns ist die Idee der Freiheit. Das Subjekt muß als frei betrachtet werden, weil es nur unter dieser Bedingung als moralisch autonom und verantwortlich begriffen werden kann; ein in seinen Erwägungen, Entschlüssen und Handlungen vollkommen naturgesetzlich (z.B. neurophysiologisch) determiniertes Wesen könnte für sein Wollen und Handeln nicht verantwortlich gemacht werden; nur unter der Bedingung, daß der Mensch zur Selbstgesetzgebung aus reiner Vernunft fähig ist, kann er als moralisch verantwortlich betrachtet werden. Moralische Autonomie ist aber nur möglich, wenn es Freiheit gibt. Die Idee der Freiheit ist somit der „Schlüssel zur Erklärung der Autonomie des Willens“. […]

„Freiheit“ bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Beliebigkeit (libertas indifferentiae), sondern „die Eigenschaft des Willens, sich selbst ein Gesetz zu sein“ (IV, 447). […]

Der Mensch als Adressat moralischer Imperative ist ein autonomes Vernunftwesen und hat als solches einen Wert, der nicht durch einen Preis ausgedrückt werden kann, nämlich Würde. Die Würde des Menschen anzuerkennen heißt, ihn nicht als Mittel zu irgendwelchen äußerlichen Zwecken zu gebrauchen, sondern als Selbstzweck – als Zweck an sich – zu achten. Das drückt eine weitere Formel des Kategorischen Imperativs aus: „Handle so, daß du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst“ (GMS; IV, 429).«

Quelle: Geschichte der Philosophie, Band IX, 1 – herausgegeben von Wolfgang Röd. München, 2006. Abschnitt Ethik: Freiheit und Würde der Person.

 

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