Was ist Öffentlichkeit?

2017_12_28_diana

Gast-Kolumne von Diana Sonntag

Öffentlichkeit ist das neue Politikum. Der Rechtspopulismus verlagert seine Taktik zunehmend in den Bereich des Rechts. Das ist nur sekundär ein Wortspiel, das ist primär ein Verfahren, das man Einschränkung nennt; was hinter hervorgehaltener Hand palavert wurde, was geheimbündlerischen Charakter hatte, ist zur Klage-Performance geworden. Dass Rechts-Rechter nicht lange gut gehen würde, wusste man nur zu genau, und deswegen wartete man auch nicht auf bürgerliche Bestätigung des Regierungsprogramms, man feierte die Erhebung in Amt und Würden lieber im Vorbeigehen ab und fackelte nicht lange, denn es galt: Einschränken, bevor man sich wieder in der Schmuddelecke tummelt (oder gar in der Versenkung verschwindet). Da war es zwar saugemütlich, da war man unter sich, da hat’s gebrodelt und gescheppert, man wurde von seinem eigenen Süppchen warm gehalten, doch das war ja nicht das, was man wollte. Jetzt fließt Geld, jetzt regiert man, jetzt ist man wer. Bloß nicht zurück! Visionen brauchen ein Podium – und zwar das eigene! Kein öffentlich-rechtliches. Was kommt, wenn Öffentlichkeit geht? Dass nichts mehr geht, wenn Öffentlichkeit kommt. Und nun wird sich über sie beklagt und gegen sie geklagt, dass sich die Balken biegen. Schwarz ist das neue braun. Man klagt deutsch. Wie herzzerreißend!

Öffentlichkeit ist die Garantie des Bürgers, am politischen und kulturellen Leben beteiligt zu werden; Öffentlichkeit ist Demokratie. Auf die Frage, ob sich der Terror des Nationalsozialismus wiederholen könnte, antwortete die politische Theoretikerin Hannah Arendt ebenso knapp wie überzeugt in diesem Sinne: wenn Lügen und Verbrechen regieren. Wenn Öffentlichkeit geht, wer regiert dann? Die Klage-Performance – Terror in Zeiten der Post-Performance. Medienzeitalter war gestern!

Auszug aus Diana Sonntags neuem Polit-Roman Roman-Experiment hier.

https://botschaftenblog.jimdo.com/stimmen-der-zeit/

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