Warum die Frauen der Neuen Rechten aus der Freiheit aussteigen.

2018_04_15_foto_diana_kolumnenGast-Kolumne von Diana Sonntag

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Auf jeden Topf passt ein Deckel, sagt man – aber reicht das als Erklärung, wenn sich Frauen der rechtsextremen Szene neben ihren Fascho-Männern als weibliche Wesen in Szene setzen? Die Bewegung des rechten Antifeminismus ist nicht so jung, wie man meinen könnte; eingeleitet und etabliert wurde diese Bewegung bereits seit den Neunzigern. Die sogenannte konservative Wende begann auch nicht an den „Rändern der Gesellschaft“, sondern vielmehr an den Universitäten, vornehmlich in klerikalen und ihnen nahestehenden bildungsbürgerlichen und akademischen Kreisen und in den Familien des Bürgertums, die sich nach und nach den Protagonisten dieser „Anti-68er-Bewegung“ anschlossen, einer nonkonformistischen Bewegung, welche mitunter auf höchstem Niveau aus katholisch-theologischer Perspektive zu argumentieren verstand. Zugleich entbrannte ein sektiererisches Schriftenapostolat, das den Familien Informationen mystischen Tenors und sittliche Unterweisung lieferte, zugleich warb man Ehepaare und Suchende, junge Leute, Studenten, Akademiker, auch Kinder und Heranwachsende aus frommen Familien, sowie weitere Priester und Ordensleute und Seminaristen an, zusammengetrommelt auf Veranstaltungen wie Sühnenächten, Bergsteigerexerzitien, (Heilungs-)Gebets- und Weltjugendtagen. Eigene Organe wie die überregionale katholische Wochenzeitung Die Tagespost, in längeren Abständen erscheinende Nachrichtenblätter aus anerkannten oder noch ihrer Anerkennung harrenden Wallfahrtsorten im Dunstkreis einer Vielzahl von Privatoffenbarungen aus der ganzen Welt, sowie frömmlerische Werbebroschüren gut-katholischer Verlage und diverser Devotionalienhändler mit demselben theologischen Inhalt jener Stoßrichtung, zum Heil der Seelen wieder hinter die 68er zurückzugehen – all diese Organe erfüllten den Zweck, den Kreis der plötzlich konservativ Bewegten zu erweitern und bei der Stange zu halten. Die Movimenti der Neuevangelisierung, nicht selten direkt dem Papst unterstellt, haben seit Johannes Pauls II. philosophischer Hinwendung zu Ehe- und Familienthemen und konkreten Fragen der Geschlechtlichkeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in konsequenter Ablehnung der Sitten der Moderne (bei gleichzeitiger pastoraler Zuwendung zum Menschen eben dieser Moderne und der Betonung eines Evangeliums der Barmherzigkeit) seit ihrer Gründung die strukturelle Anbindung jenes scheinbar orientierungslosen nach-68er-Klientel an die Institution Kirche durch ihre sakramental verpflichtenden Vollzüge gewährleistet.

Blicken wir jetzt auf die Frauenbewegung der Neuen Rechten, so fällt eins auf: Sie kommen als perfekter Abklatsch der katholischen Antifeministinnen wie Gabriele Kuby, Gudrun Kugler und Birgit Kelle rüber! Das einzige, was sie von den frommen Katholikinnen unterscheidet, ist ihre Attitüde. Während die elitären Rechtskatholikinnen stilistisch im pompösen Flair zeitlosen Barocks aufgehen, es in ihrer Außendarstellung also ungern an Taille fehlen lassen, brilliert der identitäre Showdown mit seinem upgedateten amerikanischen Tea-Party-Feeling, das seit Trump international die Oberhand gewonnen hat, und damit eine Gangart, die einen evangelikalen Zug trägt, der wiederum mit gewissen anti-römischen Ressentiments einhergeht – an der Oberfläche zumindest noch, denn im rassistischen und homophoben  Inhalt ist man sich ja mittlerweile vollkommen einig – brilliert der Showdown der Identitären Bewegung nun mit seinem coolen Schritt voraus: Auf Wiedersehen Jenseits, Hallo Welt!

Die Frauen der Neuen Rechten schlagen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie steigen nicht nur aus der Vergangenheit (68er) aus, sondern auch gleich aus dem Ewigen Gestern (Mittelalter), denn: Konservieren ist nicht genug! Für sie gibt es nicht nur den Himmel, sondern auch ein Heute und ein Morgen. Dass sie „aus der Freiheit aussteigen“ – Gott (der Christen) bewahre! – das ist für die Genderfeinde nichts als eine hinterwäldlerische Verschwörungstheorie von völlig verstaubten Antifaschisten. Kubys, Kuglers und Kelles, den bürgerlich-christlichen Vorreitern der deutschsprachigen Rebellion gegen den Terror antipaulinischer Demokratie (=Rot-Grün-Schwarzer Post-Kommunismus mit Pseudo-Christin Diktatorin Angela Merkel an der Spitze), denen leuchtet das Geheimnis des Erfolges längst ein: identitär ist das neue elitär. Alles (nur noch) eine Frage der Mode (nicht mehr der „Moderne“). Sex ist zum Kinderkriegen – für Volk und Vaterland! So einfach können die (un)heiligsten Dinge sein …

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