Höllenleben Opus Dei. Die neue recht(skatholisch)e Politik systematischer Erniedrigung des Einzelnen und gesellschaftlicher Verächtlichmachung Andersdenkender.

Für eine Bewegung müssen Menschen gewonnen werden. Für eine „Bewegung“, die an sich das Ende aller Bewegung einläuten soll, müssen Menschen gebrochen werden. Wie funktioniert das? Wie werden Menschen gebrochen, gängig gemacht und wiederum zur selbstbewussten Verfügbarkeit herangebildet (zur „hochmütigen Bescheidenheit“ vgl. Wolfgang Brosche), andere systemisch gefügig zu machen?

Als Beispiel der Kommunikationsstrategien der Neuen Rechten möchte ich ein aktuelles Beispiel aus dem Wiener Standard heranziehen; unter der Rubrik Kommentar der anderen erschien unter dem Titel Weder frei noch Liebe: Apersonale Geilheit als Prinzip am 18. Mai 2018 folgender Artikel des rechtskatholischen Psychiaters Raphael Bonelli:

https://derstandard.at/2000080021204/Weder-frei-noch-Liebe-Apersonale-Geilheit-als-Prinzip

Bonelli behauptet, dass der Liebe durch die 68er-Parole „Wer zweimal mit der Gleichen pennt, gehört schon zum Establishment“ der Bankrott erklärt werden sollte. Er beginnt seinen Kommentar mit einer Projektion seiner eigenen sexuellen Phantasien und interpretiert sie – er betont: als Psychiater – in die Protagonisten einer von ihm ganz offensichtlich bloß vorgestellten, weil völlig pauschal beurteilten „68er“-Bewegung hinein, und versucht dann, diese pseudo-wissenschaftliche „Operation“, also seine sexuelle Projektion, mit dem Hinweis auf seine Patienten zu vertuschen und ihr damit professionelle Objektivität zu verleihen. Tatsächlich sollte mit dieser Parole gerade der Verlogenheit der Bankrott erklärt werden, Liebe daran abzulesen, ob sexuelle Treue vorgegeben oder praktiziert wird. Vorgebliche sexuelle Treue sagt eben gerade nichts darüber aus, ob oder wieviel Liebe im Spiel ist, wenn sexuelle Aktivität gelebt wird, denn Liebe ist ein Geheimnis, zutiefst personal und einzigartig; eine materialistische Verkürzung auf körperliche Treue bei Bonelli führt genau zu dem, was Bonelli nun unrechtmäßig und demagogisch „den 68ern“ unterstellt: zu einer materialistischen, groben Auseinandersetzung mit Erotik und Sexualität, zur Verrohung des Diskurses, bis hin zur Verbreitung einer persönlichen perversen Vorstellung, wie Raphael Bonelli, interpretiert man seinen Text, sie hegt und öffentlich durchexerziert, die er selbst hier also dem Leser sexualisiert und übergriffig aufzwingt: seine eigene Vorstellung nämlich von einer apersonalen Geilheit als Prinzip.

Unterdrückte Sexualität als eine Quelle der Unzufriedenheit wird von Raphael Bonelli schleunigst geleugnet – dass niemand auf die Idee kommt, nach dem Grund von Bonellis Zwangsvorstellung der apersonalen Geilheit als Prinzip zu fragen!

Dann schildert er, ohne es zu merken, was typisch für den Vorgang der Projektion ist, wie seine Vorstellung von apersonaler Geilheit als Prinzip Überhand über ihn gewonnen hat und belästigt damit hinterrücks die Leser*in, die dachte, einen seriösen Artikel über die 68er zu lesen. Er schildert, wie seine eigene perverse Vorstellung von einer apersonalen Geilheit seine Libido vom Du abgewendet hat (wen wundert‘s?) und wie er dadurch in den Narzissmus getrieben wurde.

Als Folge tritt Bonelli nun als Leithammel seiner Sex-Mission auf, die das Lustprinzip materialistisch degradiert und damit zu etwas Apersonalem macht – und um davon abzulenken, dass er selbst wie ein vollkommen Verrückter die Sexualität von Personen von dem Begriff der Person trennt, missbraucht er die von ihm bloß vorgestellten „68er“, die mit der tatsächlichen historischen Realität der 68er nichts zu tun haben, um seinen eigenen Missbrauch der Begriffe Person, Lust und Liebe zu decken, und den Missbrauch der Leser*innen durch eben diese übergriffige Mitteilung seiner eigenen sexuellen Phantasien als Interpretation der 68er, als eine anspruchsvolle, non-konforme Form von Aufklärung zu tarnen (Entwicklungssensible Sexualpädagogik? https://confessiones.online/2018/05/18/das-bonelli-prinzip/ ).

Er gesteht, freilich ohne es zu merken, öffentlich ein, wie krank es ihn macht, die eigene Lust von der Beziehung zum Du abzukoppeln. Von da aus ist es nicht weit zur Pädophilie, so seine eigene Befürchtung. Er kann sich nur durch eine paranoide Außenfeindprojektion retten: Vergewaltigungen haben ihre Ursache in einer von außen gesteuerten Bewegung („68er“). Er behauptet gar, dass die Opfer von Vergewaltigungen im Zusammenhang mit der Metoo-Debatte geäußert hätten, dass sie als Opfer die Gründe für die Taten – genau wie er, der Psychiater Bonelli! – nicht in der persönlichen Verantwortung der Täter sehen, sondern in „narzisstisch-rücksichtslosen 68er-Denkmustern“, so artikuliert es Bonelli. Er legt den Opfern sexueller Gewalt in den Mund, was er selber von ihnen hören will: alles in Ordnung – Schuld sind nur die 68er, du kannst ja nichts für deine perversen Phantasien!

Dann entwirft Bonelli ein sehr bedrückendes Szenario von Kindheit, und tarnt es als Schilderung der „68er“: „Eltern mussten sich ihren Kindern möglichst oft nackt zeigen, Badezimmer durften nicht mehr versperrbar sein. Das Schamgefühl wurde pathologisiert: genau das ist das Muster der Pädophilen.“ Ist er deswegen Psychiater geworden?

Sein Weg war dann, so darf man seinen eigenen unbewussten Auskünften nach wohl annehmen, zunächst von einer Phase der Selbstverwirklichung geprägt, mündete dann aber in der Sackgasse der Bindungsunfähigkeit und Potenzprobleme. Die Ursachen der Deformation führt er auf Herkunftsfamilie und Kindheitstraumata zurück; Vater und Mutter wurden als Unbekannte erlebt. Schließlich begann er wohl, unter seiner Kinderlosigkeit zu leiden (und entschied sich für ein spätes Glück).

Für die Enkel*innen seiner „68-er“, allen voran für seine Ehefrau, möchte Raphael Bonelli – der verheerenden Opus-Dei-Tradition seiner Herkunftsfamilie allem Anschein nach systemisch immer noch tragisch und leidvoll verpflichtet – nur noch eins: dass seine „68er“, sein Prinzip der apersonalen Geilheit, am Ende doch noch zu einem glücklichen Familienleben führen möge.

https://confessiones.online/2017/10/04/wie-die-kommunikationswissenschaftlerin-vom-rpp-intitut-des-wiener-psychiaters-raphael-bonelli-das-maerchen-von-ihrer-eigenen-diskriminierung-in-umlauf-bringt-um-dann-als-dessen-expandierend/

Dafür wünschen ihm die Täter sicher Gottes Segen!

 

Diana Sonntag

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