(Katholische) Kirche und Religion

Maria in der Kirche "San Bernadetto" in Limone sul Garda (Foto: WB)

Maria in der Kirche „San Bernadetto“ in Limone sul Garda (Foto: WB)

Unserer Online-Zeitung haben wir den Namen „Confessiones“ gegeben, denn wir wollen unsere Bekenntnisse zum heutigen Leben in einer globalisierten Welt, in der jährlich Millionen Menschen noch immer an Hunger und Seuchen sterben und/oder von Krieg und dessen schrecklichen Folgen bedroht sind, und zum Glauben – besonders in der katholischen Kirche – vermitteln.

2,3 Mrd. Menschen, 32,5% der Weltbevölkerung, sind Christen; allein der Katholischen Kirche gehören weltweit 1,2 Mrd. Menschen an.

„Confessiones“ ist zugleich der Titel eines der berühmtesten Werke der Weltliteratur, der autobiografischen Betrachtungen des christlichen Kirchenlehrers Augustinus, verfasst in den Jahren 397 bis 401 n.Chr., als der Mailänder Rhetorikprofessor Augustinus bereits Bischof von Hippo Regius in der römischen Provinz Numidien (heute in Algerien) war. Augustinus ist für die Kirchen- und Geistesgeschichte von gar nicht zu überschätzender Bedeutung. Seine Synthese von Christentum und Philosophie – an der Schwelle zwischen Antike und Frühmittelalter – prägte nicht nur die Theologie des Mittelalters ganz entscheidend, er hat das Denken des Abendlandes wesentlich geprägt. Erst im Alter von 32 Jahren, am 15. August 386, erlebte der durch platonische Philosophie und Cicero geprägte Augustinus, der in Mailand noch öffentlichen Ehrenreden auf Kaiser Valentinian II und römische Konsuln gehalten hatte, seine als Bekenntniserlebnis geschilderte religiöse Erfahrung, woraufhin er sich Ostern 387 durch Bischof Ambrosius von Mailand taufen ließ. Er ist somit einer der größten Konvertiten der Kirchengeschichte.

Noch prägender für die Kirchengeschichte des Christentums war die Bekehrung des Paulus von Tarsus, bekannt als Damaskuserlebnis. Der auferstandene Jesus hatte diesen vom Verfolger der Urchristen zum Apostel der Völker berufen. Auf dem folgenreichen Apostelkonzil, vermutlich 48/49 n.Chr. in Jerusalem, kam es zur Verständigung mit der Jerusalemer Urgemeinde über die sog. Heidenmission. In der Praxis hatte sich die Heidenmission außerhalb Jerusalems bereits so schon durchgesetzt.

Mit dem Bezug auf die Bekenntnisse des Paulus und des Augustinus beziehen wir gerade in diesen Tagen sehr bewusst die Erfahrungen des Ur- und Frühchristentums in unsere „Confessiones“ ein. Wir sind überzeugt davon, dass Allianzen zwischen rechten Wählern, rechtspopulistischen Politikern und konservativen frommen Christen – hier in Deutschland ebenso wie z.B. in den USA – geradezu unheilig sind. Leider sind es gerade die Stimmen aus diesen Allianzen, die kontinuierlich über die Medien in die Öffentlichkeit gelangen und, vermutlich so gerade beabsichtigt, ein verfälschendes Bild vom eigentlichen Glauben und dessen Wertorientierungen ergeben. Wer kennt heute noch die wirklichen Glaubensbekenntnisse und Auffassungen der Katholischen Kirche?

In die Öffentlichkeit gelangen vielmehr Meldungen wie diese: „Der Papst werde eine offizielle Erklärung erhalten, in welcher die Lehre der Kirche seinen Aussagen gegenüber gestellt werde. Franziskus müsse sein Amt wahrnehmen und die gegenwärtige Verwirrung und Spaltung beenden, sagte Kardinal Burke.
Raymond Kardinal Burke, der Patron des Souveränen Malteser Ritterordens und ehemalige Präfekt der Apostolischen Signatur, hat in einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung The Wanderer die mögliche formale Korrektur des Papstes wegen Unklarheiten des nachsynodalen Schreibens ,Amoris laetitia‘ konkretisiert.“ (kath.net vom 19.08.2017)

Wir fragen uns, wem Redeweisen von einer „Spaltung“ der Katholischen Kirche nützen könnten. Aus unserer Sicht lohnt sich der beständige Blick in die (frühe) Geschichte des Christentums und die Erinnerung an vormalige Erfahrungen, als sich die Ausbreitung des Glaubens durch keine auf Hochrüstung und Waffengewalt gestützte imperiale Macht aufhalten lassen konnte. Zurück zu diesen Wurzeln! In diesem Sinne suchen wir den Dialog (bis zum Disput) mit unseren Leserinnen und Lesern.

 

 

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